Alte Liebe neu entdeckt
Ein schlappes Jahr stand der Katzenkorb völlig verwaist in der Ecke neben dem Schrank. Im Grunde ein prima Katzenplatz, man hat von dort eine gute Übersicht, ist aber doch geschützt und schummrig ist auch. Ursprünglich war das Lieschens Korb – den hat dann aber Moritz in Beschlag genommen.
Seit einem Jahr aber interessiert ihn die Schlafstatt nicht mehr, er bevorzugt mein Bett.
Doch neulich, in einer kalten Nacht, fehlte am frühen Morgen neben meinen Beinen dieses schwarzes Etwas. Nur Lili, die treue Seele lag neben mir. Sie liegt immer neben meinem Oberkörper, Moritz neben den Füßen. Aber an dem Morgen war der Platz neben meinen Füßen leer. Ich machte mir schon Sorgen, weil es draußen wirklich sehr kalt war, als ich plötzlich eine Bewegung wahrnahm, ein paar Meter entfernt, im verwaisten Katzenkorb. Denn der war nun nicht mehr verwaist, sondern wieder von Moritz belegt.
Katzengebet
Ich bin klein,
mein Herz ist rein.
Im von mir verschmutzten Bettchen
soll niemand schlafen
als ich allein.

Oh Gott!
Die ersten Böller knallen schon … das verheißt nix Gutes. Wir verziehen uns deshalb vorsichtshalber schon mal unters Bett. Von dort aus wünschen wir ein gutes und neues Jahr. Ohne Krankheiten und Verletzungen, dafür mit gaaaaaaanz viel Leckereien. Fisch zum Beispiel, oder Käse, oder Sahne, oder Hühnchen, oder Joghurt, oder – und das ist am allerbesten – alles ZUSAMMEN!

Bis zum nächsten Jahr schicken wir beste Grüße! Gehabt Euch wohl und passt gut auf, dass Euch kein Knaller auf die Birne fällt …
Lieschen – Lili – Moritz
Fundsache
Sitz ich am Computer, als es auf dem Schreibtisch plötzlich raschelt.

Lili hat was entdeckt: einen von mir gerade geleerten Joghurtbecher. Ein Katzenzüngchen findet aber alle mal noch genug …
Luftdicht verpackt?
Katzen erschnuppern alles. Auch wenn es – angeblich – luftdicht verpackt ist.

Gott sei Dank hab ich das rechtzeitig mitgekriegt. Ein paar Minuten später und Moritz hätte die Packung aufgebissen und den Fisch angeknabbert … das hatten wir ja schon mal.
Weihnachts-Dope?
Ich weiß nicht, was Minnie da so inniglich beschnüffelt … aber es sieht so aus, als röche dieses Weihnachtspräsent ganz besonders fein. Also, ich tippe auf Katzen-Dope …

Foto: Doris Eudenbach-Schuster
Und … sind die rosa Pfötchen nicht niedlich? Ach, ich liebe Katzen! In jeder Position ein Anblick für die Götter.
Jungbrunnen
“Also, ich hab zu Weihnachten ein wunderbares und sehr sinnvolles Geschenk bekommen: eine Frischebox. In der werde ich mich jeden Tag ein Stündchen aufhalten, und dann bin ich in ein paar Monaten nicht mehr wieder zu erkennen. Soll nämlich wahre Wunder wirken, das Ding.

Wenn’s funktioniert, bestell ich nächste Weihnachten für Renate auch so ne Box, ein paar Nummern größer natürlich. Denn die hat’s wirklich nötig. Aber … pssst … nicht weitersagen. Sonst ist sie beleidigt.
Beste Grüße – Eure Lili”
Schwester Renate
So, die Spritze hab ich Moritz verpasst. Ging ganz einfach. Ich hab das ja – leider – vor vielen Jahren gelernt, das Spritzen geben. Damals hatte Fritzchen arge Nierenprobleme und ich musste ihm mehrere Wochen lang jeden Tag ein Medikament spritzen. Der Tierarzt hat mir gezeigt, an welcher Stelle und auf welche Weise ich Fell (mit Gewebe) hochheben und festhalten muss. Dann schwupps die Nadel reinstechen … fertig. Fritzchen hat seinerseit nicht mal gemuckt.
Moritz heute hat kurz ein leises “äh” von sich gegeben, ich hab den Inhalt aus der Kanüle gedrückt – und die Sache war erledigt. Ich denke, es tut nicht mehr weh, als wenn bei uns Blut abgenommen wird. Da spürt man ja auch nur einen kurzen Piekser.
Jetzt bekommt er am Mittwoch nochmal die Spritze und das wars dann. Bis zum nächsten Mal. Der Raufbold verwickelt sich ständig in irgendwelche Revierkämpfe. Die meisten Ergebnisse behandle ich ja selbst und ohne Tierarzt, aber dieses Mal habe ich ja keine Verletzung entdecken können und bei seinem Gewimmere und Gefauche habe ich mir doch ernsthaft Sorgen gemacht. Und das wäre kein Weihnachten für mich gewesen – ohne ihn untersuchen zu lassen. Es gibt Menschen, die können tagelang ihre verhaltensgeänderte Katze anschauen, ohne auf die Idee zu kommen, mit ihr zum Tierarzt zu gehen. Ich kann das nicht. Und das ist auch gut so! Ich habe die Verantwortung für meine pelzigen Untermieter, und der komme ich mit Freude nach. Geht es der Katze gut, freut sich der Mensch.
Nachdem er die ganze Nacht auf Strawanze war, liegt er jetzt in meinem Bett und schläft den Schlaf der schwarzen Rabauken … unter der Decke.
Erledigt!
Völlig erschöpft von der anstrengenden Bescherung. Das hübsche Niko-Bienchen …

Foto: Susanna Wierichs
Immer wieder an Weihnachten
Vor zwei Jahren war Lili krank. Letzte Weihnachten jammerte Moritz dauernd, wenn ich ihn anfasste, doch der Arzt konnte nichts finden.
Dieses Jahr hat Lili den allergrößten Appetit. Lieschens Verletzungen (eine mittelgroße Wunde unterhalb des Halses und ein Biss an der linken Vorderpfote) sind gut verheilt. Ich dachte also, dieses Jahr hab ich zu Weihnachten Ruhe. Falsch gedacht. Heute früh kommt Moritz in mein Bett gehüpft, ich streichle seinen Bauch … er faucht und jammert. Ich untersuche ihn, kann aber nichts finden. Ein paar Stunden später streichle ich ihn wieder, er jammert und faucht. Ich untersuche ihn. Aha, sobald ich den linken Vorderlauf berühre, wird er ungemütlich. Ich untersuche das Bein, finde nichts. Aber wenn er faucht, hat er dort was. Tierarzt und THP sind bereits in Weihnachtsurlaub. Ich rufe in der Tierklinik an – die haben Gottseidank Sprechstunde (aber auch sonst ist dort immer jemand zu erreichen, rund um die Uhr). Ich packe Moritz ins Körbchen und fahre nach Dießen. Unterwegs Katzenkonzert vom Feinsten.
Das Sprechzimmer ist verwaist – kein Mensch da. Auch kein Tier. Na gut, da brauche ich wenigstens nicht lange zu warten. Ein paar Minuten, meint die Sprechstundenhilfe. Während ich warte, kommt eine Freundin aus dem Dorf mit Katzenkorb. Mathilda, so heißt ihre hübsche graue Dame, hat sich mit einem Marder angelegt. Folge: ordentliche Bisse im Bauch. Aber Gottseidank ist fast alles wieder in Ordnung
Die Ärztin winkt mich ins Sprechzimmer und Moritz wird untersucht. Erst lässt sie ihn im Sprechzimmer rumlaufen – Test, ob er das Bein be- oder entlastet. Er belastet. Das ist schon mal gut. Dann springt er mit elegantem Satz aufs Fensterbrett. Auch gut! Dann untersucht sie das linke Bein und findet gut versteckte, nicht blutende Bissspuren. Aha, der Racker hat wieder mal gerauft. Das macht er sehr gern, denn er hat ständig irgendwelche kleine Blessuren. Oft am Kopf, heute auch oberhalb des Auges.
Der kleine Schwarzbär bekommt ein Schmerzmittel gespritzt und noch Antibiotikum. Vorsorglich, meint die Ärztin. Der Biss sei in der Nähe des Gelenkes und es könnte gut sein, dass sich Bakterien unter der Haut eingenistet haben, und das sei nicht gut fürs Gelenk.
Dann drückt sie mir noch zwei Kanülen mit Antibiotikum in die Hand. Die muss ich ihm übermorgen und nächsten Mittwoch spritzen.
Zuhause angekommen, rast der kleine Rabauke die Treppe hoch und schaut misstrauisch durch die Stufen.

Momentan versteckt er sich unterm Bett, und ich hoffe, dass ich ruhige Weihnachten verbringen kann – mit meinen pelzigen Untermietern.
Euch allen wünsche ich friedvolle und fröhliche Weihnachten – mit unverletzten und gesunden Katzen.



