Neu in der Familie: Kater Moritz

Normalerweise gehe ich sonntags nicht golfen. Da ist mir zuviel los, und ich kann mir meine Arbeitszeit als Freiberuflerin ja einteilen, deshalb schlage ich die kleinen weißen Bälle vorzugsweise unter der Woche.
Gestern allerdings habe ich eine Ausnahme gemacht, weil meine Freundin Jacqueline ein „normal“ arbeitender Mensch ist, der fürs Golfen am Werktag extra Urlaub nehmen muss. Also, kurz nach elf schlugen wir ab, gemeinsam mit einem sympathischen Ehepaar.

Ich quälte mich so über die Fairways, nach über sechs Wochen Abstinenz wollten meine Bälle so gar nicht fliegen, außerdem lief mein Kreislauf auch nicht so rund wie üblich, ich schwächelte, sehnte mich nach meinem Sofa und hatte vor, mich ab dem neunten Loch zu verabschieden. Meine Mitspieler waren über meinen Entschluss gerade unterrichtet, als ein kleines schwarzes Kätzchen meinen Weg kreuzte. Kläglich miauend. Katzen sind auf einem Golfplatz nicht unbedingt Usus, also blieb ich stehen. Zutraulich schmiegte das Kätzchen sich an meine Beine. Es einfach so hier zu lassen, das war mir definitiv nicht möglich, denn es hatte sich bestimmt verlaufen. Aber wo kam es her? Vom zur Golfanlage gehörenden Gutshof vermutlich. War wohl ausgebüchst, die Kleine.

Ich griff ich mir die Kleine, ganz vorsichtig, denn so kleine messerscharfe Krallen können einem ziemlich schnell die Lippe aufschlitzen oder ein paar kleine Löcher in die Wange stechen. Doch das Kätzchen kuschelte sich in meine Arme, als seien wir alte Bekannte, auf den ungefähr 200 Metern zum Gutshof hat es nicht einmal den Versuche gemacht, sich aus meiner Umarmung zu lösen. Es lag einfach nur da, hechelte ein bisschen und miaute in regelmäßigen Abständen.

Auf dem Hof des Gutshauses angelangt, konnte ich keine Menschenseele entdecken. Na ja, Sonntag Mittag, die Leute saßen vermutlich beim Essen. Ich drückte den Klingelknopf und nach wenigen Sekunden wurde die Tür geöffnet. Im Rahmen stand eine mittelalterliche Frau mit unfreundlichem Gesichtsausdruck.

„Gehört die Katze Ihnen?“ Ich hielt der Frau das Kätzchen entgegen.

„Nein!“, sagte sie kategorisch. „Wir haben keine Katzen mehr.“

Als ich dann wissen wollte, wo die Katze hingehören könne, meinte die Frau nur, dass sie vermutlich ausgesetzt sei. Das würde alle naselang passieren. „Ferienkätzchen“, so meinte sie gefühllos. Was denn nun mit der Katze passieren solle, fragte ich. Sie habe keine Ahnung, meinte die Frau, sie auf alle Fälle würde sie nicht nehmen. Sprach’s und schloss die Tür.

Da stand ich nun, mit dem Kätzchen auf dem Arm. Hier lassen würde ich es auf keinen Fall, das war klar. Ich würde es jetzt erstmal mitnehmen und dann ins Tierheim bringen. Ja, das war so mein Plan. Schließlich habe ich ja bereits drei Katzen…

Ich war mit dem Kätzchen unterwegs in Richtung Auto als mir eine Golfbekannte entgegen kam. „Ach, du hast das Kätzchen gefunden“, meinte sie, und es stellte sich heraus, dass der Hausmeister des Clubs ein schwarzes Kätzchen suche. Na, das war ja prima! Ich ging zurück, ins Clubsekretariat, wo nach dem Hausmeister gefahndet wurde. Nach einer Weile hatten sie Glück, der Mann war unterwegs. Das Kätzchen lag nach wie vor auf meinem Arm und schien sich dort sehr wohl zu fühlen. Sein Schnurren hörte sich an wie ein kleines Moped.

Es stellte sich dann heraus, dass das Kätzchen gar nicht dem Hausmeister gehörte, sondern eigentlich niemandem. Es sei dauernd auf dem Gelände herumgelaufen, da hätten die Greenkeeper es eingefangen, in einen Schuppen gesperrt und mit Essensresten versorgt. So was Ähnliches hatte ich vor drei Jahren schon mal erlebt. Da wurden gleich fünf Kätzchen in den Schuppen ausquartiert. Als Nahrung wurde ihnen seinerzeit Weißwurstpelle in den Fressnapf gelegt. Ich hatte es mit Grausen gesehen und den Greenkeeper deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass die Haut von Weißwürsten keine Katzennahrung sei und erst recht keine Ernährung für kleine Kätzchen. Mit meiner Bemerkung hatte ich damals aber nur desinteressiertes Schulterzucken geerntet.

„Also, wenn das so ist, dann nehme ich das Kätzchen mit“, sagte ich entschlossen. Ein paar Minuten später sprang das Kätzchen in meinem Auto herum und miaute gottserbärmlich.

moritzregal.jpgZuhause angekommen, warf ich erstmal einen Blick unter den Schwanz des Kätzchen. Das Kätzchen war ein Kater, rund drei Monate alt. Ein hübscher kleiner Kerl, pechschwarz, mit weißen Schnurrhaaren, einem weißen Fleck auf dem Bauch, weißen Zehen an den Vorderfüßen und weißen Kniestrümpfen an den Hinterbeinen.

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Aber die untere Nickhaut an den Augen war hervorgetreten – ein Zeichen von Krankheit, zumindest aber von Würmern. Ich rief in der Tierklinik an, und bekam auch gleich einen Untersuchungstermin. Das war auch gut so, denn der kleine Kater hatte auch Durchfall – dokumentiert im Regal in meinem Arbeitszimmer, in einem Bücherkarton und auf einem Wäschestück im Bad. Gott sei Dank habe ich eine gute Nase und konnte die Hinterlassenschaften schnell erschnüffeln und beseitigen.

„Würmer hat er, die vorgeschobene Nickhaut und der Durchfall sind typische Anzeigen”, sagte die junge Ärztin, „und Flöhe hat er auch. Aber sonst sieht er gut aus“. Der kleine Kater wurde entwurmt, mit Flohmittel eingepudert und wieder in den Korb gesetzt – den er in seiner Not während der Fahrt auch zum Klo umfunktioniert hatte.

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Wieder zu Hause, erklärte ich dem kleinen Kater erstmal die Sache mit dem Katzenklo und dachte mir einen Namen für ihn aus, denn dass ich das schmusebedürftige und sehr anhängliche Kerlchen keinesfalls ins Tierheim bringen würde, das war mittlerweile klar. Ich hätte das einfach nichts übers Herz gebracht, und wo Platz für drei Leisetreter ist, findet ein vierter auch von Raum.

Nach einer ausgiebigen Schmuseeinheit erholten wir beide uns auf dem Sofa von den Aufregungen. Moritz lag entspannt auf meinem Schoß, und Lili, Felix und Lieschen, die den Familienzuwachs mittlerweile schon von der Ferne beäugt hatten, waren sauer. Daran gab es nichts zu deuteln. Mit großen, ungläubigen Augen hatten sie den kleinen Kerl zur Kenntnis genommen, geknurrt und gefaucht und dann im Schweinsgalopp die Flucht übers Dach ergriffen.felix.jpg Aber das ist normal und kein Grund für Bedenken. Es wird ein paar Tage dauern, bis sie sich an seine Anwesenheit gewöhnt haben, und ich freue mich schon auf den Augenblick, in dem sie Po an Po auf dem Sofa oder dem Bett liegen.

Apropos Bett: dreimal darf geraten werden, wo Moritz seine erste Nacht verbracht hat. Richtig! Als ich ins Schlafzimmer kam, lag er im Korb von Lieschen (die wird ihre Freude an seinem Geruch haben!). Aber kaum hatte ich meine müden Glieder auf den Futon gebettet, kam er auch schon angetippelt und machte es sich bei mir gemütlich, auf dem Kissen direkt neben meinem Kopf. Dort lag er, zu einem Fellpäckchen eingerollt und schnurrte sich und mich in den Schlaf.

Und meine anderen drei waren heute Vormittag natürlich auch schon da. Müssen sich schließlich über den Verlauf der neuen (brisanten) Situation auf dem Laufenden halten. Alle Stunde sitzt eine(r) vor der Tür und wirft aufmerksame Blicke nach drinnen. Aber ganz allmählich weicht die Abneigung gegen den kleinen Fremdling der natürlichen kätzischen Neugierde ….
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Vor zwei Stunden hat Moritz das erste Mal das Katzenklo von allein benutzt, und momentan liegt der kleine Kerl wieder oben, in Lieschens Korb, und ich bin sehr froh, dass Jacqueline mich gestern zum Golfen motiviert hat. Denn möglicherweise hab ich dadurch dem kleinen Kerl das Leben gerettet. Aber auch wenn kein Fuchs oder ein anderes Raubtier ihn erwischt hätte – Moritz bewegte sich in seinem neuen Zuhause von der ersten Sekunde an mit sichtbarem Vergnügen und so vertraut, als sei er hier geboren. Und da ich nicht an Zufälle glaube, bin ich überzeugt davon, dass das alles genauso passieren musste…
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Kommentare

13 Kommentare zu “Neu in der Familie: Kater Moritz”

  1. Axel am August 20th, 2007 18:54

    Hallo und herzlichen Glückwunsch zu dem Familienzuwachs.
    Nein, das sind keine Zufälle, es sollte so sein und der kleine Moritz ist bildhübsch.
    Grüße
    Axel

  2. Ammersee Blog » Blog Archiv » Neu in der Familie: Kater Moritz am August 20th, 2007 21:15

    [...] Normalerweise gehe ich sonntags nicht golfen. Da ist mir zuviel los, und ich kann mir meine Arbeitszeit als Freiberuflerin ja einteilen, deshalb schlage ich die kleinen weißen Bälle vorzugsweise unter der Woche.Gestern allerdings habe ich eine Ausnahme gemacht, weil meine Freundin Jacqueline ein „normal“ arbeitender Mensch ist, der fürs Golfen am Werktag extra Urlaub nehmen […]http://www.die-kunterbunte-katzenseite.de/blog/neu-in-der-familie-kater-moritz/ [...]

  3. Charley am August 21st, 2007 08:57

    Na, der Kleine ist ja schon eine Schönheit. Der wird mal ein stattlicher Kater. Doch diese Geschichte kenne ich irgendwie, nur das sie bei mir im Kraftwerk spielte. Ich sage nur: SALLY. Ja, so ist das eben. So eine Mieze fühlt sich augenscheinlich wohl bei jemanden, der wie eine ganze Horde Katzen riecht. Diese Tatsache ist nicht zu leugnen. Unser “Rudelduft” nimmt ihnen wohl die Angst. Tja, Moritz, denn mach mal gut.
    Lieben Gruss vom Charley

  4. christiane am August 21st, 2007 09:50

    Hallo Renate,
    klasse, das hast Du gut gemacht, den hätte ich auch behalten. Toi,toi,toi und ich denke mal deine drei Fellnasen werden sich an ihn gewöhnen. Übrigens, dann ist er ja so alt wie “unser” Moritz, den wir gestern das erste Mal besucht haben. Er ist herzallerliebst und ein richtiger kleiner Feger. Hatte eine grüne Spielzeugmaus in Arbeit, die mußte einiges aushalten. Noch 4 Wochen, dann zieht er bei uns ein. Sissi hat übrigens als ich wieder kam und ihr die fremden Gerüche meiner Hände hinhielt ganz gelassen alles abgeleckt und war garnicht irritiert. Ich denke mal das klappt.
    So und nun für den Namensvetter alles Gute und an Dich liebe Grüße
    von Deiner Christiane
    PS.
    Sonntag habe ich Claudia Wacker in Essen getroffen. Wir haben uns auch über Dich unterhalten, haben Dir nicht die Ohren geklingelt???

  5. renate am August 21st, 2007 15:14

    Wieso wartet Ihr denn so lange, liebe Christiane, bis Ihr Euren Moritz holt?????

  6. Christian Sasse am August 21st, 2007 16:03

    Ein Ebenbild des kleinen schwarzen Katers hab ich hier bei mir rumwackeln! Mein stolzer Kater heißt “Muck”. Der kleine Muck ist super süss und eine treue Seele. Wollte ich nur mal los werden…

  7. renate am August 21st, 2007 16:24

    Gibt’s denn auch ein Foto von Muck? Und wie ist er bei dir gelandet? Schreib doch mal … und schick ein Foto …

  8. Cecie am August 23rd, 2007 12:22

    ja, so geschichten kenne ich auch. alle meine katzen haben mich ausgesucht, der letzte, Yoki, war besonders penetrant. in der katzenwohnung in berlin setzte er sich einfach an meine füsse als ich kam und war nicht mehr wegzubewegen. da hat man einfach keine chance. nach getaner inbesitznahme und klarstellung des neuen sachverhaltes dann legte er sich in ein körbchen, rollte sich schlafend ein und wartete so, dass ich es auch endlich einsah und ihn mitnahm. nervig ist die kleine fellnase inzwischen und zuckersüss, verschmust und eine alte chamöse (so nennen wir die ein-katzen-rasselbande, wenn sie sich in unsere arme schmiegt und herzerweichend nasenstubser gibt und brummschnurrt ;o)

    alles liebe für dich, moritz und die drei andern fellnasen!

    viele grüsse, silke

  9. renate am August 23rd, 2007 12:39

    Ja, der kleine Moritz hat sich von der ersten Sekunde an mein Herz erobert. Es ist mir absolut unverständlich, dass es Menschen gibt, die Katzen quälen, aussetzen oder gar totschlagen oder ersäufen.

    Lieber Gruß von Renate

  10. cleo am August 24th, 2007 09:15

    Liebe Renate,

    jetzt habe ich doch ganz verschwitzt, Dir zum Familienzuwachs zu gratulieren. Bin heute total tüdelig ;-))

    Also: Herzlichen Glückwunsch! Und willkommen, kleiner Moritz in Deinem endgültigen Zuhause.

    Lieber Gruß – Sabine

  11. renate am August 24th, 2007 09:21

    Danke, liebe Sabine, er macht sooooo viel Freude, der kleine Kerl!

    Lieber Gruß von Renate

  12. Renate Blaes » Blog Archiv » Familienzuwachs am August 25th, 2007 08:39

    [...] Es gibt etwas Neues und sehr Schönes in meinem Leben. Einen pelzigen Findling. Mehr zu ihm gibts auf dem kunterbunten Katzenblog. [...]

  13. Das kunterbunte-katzen-blog » Kater Moritz und sein erster Schnee am November 17th, 2007 18:58

    [...] Gestern hat es geschneit. Der erste Schnee für den kleinen Kater Moritz. Wobei der Ausdruck “klein” gar nicht mehr stimmt, denn er ist enorm gewachsen und fast schon so groß wie meine anderen Katzen. Nur schlanker ist er. [...]

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