Mein neuer Job: Krankenpflegerin

Dreimal darf geraten werden, wo ich heute Vormittag war. Ja, ich war schon wieder beim Tierarzt, bei der Tierheilpraktikerin genauer gesagt. Aber nicht mit Lili, die mit gutem Appetit futtert, brav ihre Geschäfte macht und überhaupt munter ist, auch nicht mit Felix, sondern mit Moritz.

Moritz ließ sich gestern den ganzen Tag nicht blicken. Bei warmen Temperaturen ist das nicht ungewöhnlich, aber hier hat es immer noch Minusgrade. So gegen neun Uhr Abend machte ich mich auf die Suche, das heißt, ich lief in der Dunkelheit ums Haus herum und pfiff nach ihm. Nicht zu sehen – von dem kleinen Racker. Na ja, kein Grund zur Sorge, aber Gedanken machte ich mir schon.

Meine anderen Drei waren längst zu Hause, Lieschen schlief auf dem Sessel, Felix neben meinem Beinen auf dem Sofa, und Lili auf meinem Schoß. So gegen zehn Uhr klapperte die Katzenklappe, aha, Moritz kam nach Hause. Ich atmete auf. Entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten hüpfte er aber nicht auf die Anrichte in der Küche um nachzuschauen, ob dort irgendwas rum lag, was ihm vielleicht schmecken könnte, sondern er eilte die Treppe zur Galerie nach oben. Und irgendwie hatte ich auch den Eindruck, dass er das nicht so leichtfüßig wie sonst machte … ich erhob mich vom Sofa und ging ihm nach. Er saß ganz normal da, hatte also kein Pfötchen erhoben zur Entlastung, was Katzen machen, wenn sie dort eine Verletzung haben. Ich lockte ihn, um zu sehen, wie er läuft … er lief ganz normal. Na gut, da hatte ich mir vielleicht was eingebildet, ich ging wieder nach unten und legte mich aufs Sofa, “Columbo” gucken.

Nach einer Weile kam Moritz angetippelt und legte sich auf das Regal vor der Heizung. Mir fiel immer noch nichts auf. Auf dem Regal lag er ungefähr eine Viertelstunde, dann hüpfte er aufs Sofa und legte sich direkt neben mich. Sein Köpfchen bettete er neben Felix, der ihm freundlicherweise eine Katzenwäsche verpasste. Alles gut!

Moritz lag da, lang gestreckt, und ich legte meine Hand auf dein Bäuchlein. Immer noch alles gut. Doch dann berührte ich bei einer Bewegung sein rechtes Hinterbein und Moritz fauchte. Aha, doch nicht alles in Ordnung. Ich hob ihn hoch, betrachtete mir das Beinchen genauer und fand eine kleine blutverkrustete Stelle in seinem Fell. Völlig unspektakulär – oberflächlich betrachtet. Ich drückte vorsichtig auf die Stelle, Moritz knurrte und fauchte. Das musste sehr weh tun, denn Moritz faucht nur bei starkem Schmerzen, bei weniger schmerzhaften Verletzungen gibt er “ai-ai-ai-ai-ai” von sich, ein kleines Wimmern mit feinem und hohem Stimmchen. Ich drückte nochmal vorsichtig am Beinchen herum, er wurde richtig unleidlich.

Ich packte ihn und trug ihn ins Badezimmer. Dort schloss ich die Tür und öffnete den Wasserhahn mit dem warmen Wasser. Das ließ ich behutsam über die Pfote laufen, damit die verkrustete Stelle sich auflöste und ich die Verletzung genauer untersuchen konnte. Ein kleines Loch, ein Biss vermutlich, nicht offen, aber leicht entzündet. Ich trocknete das Beinchen wieder ab. Da entdeckte ich am Rand des Waschbeckens ein bisschen verschmiertes Blut, das konnte aber nicht von dem Beinchen mit der Bisswunde sein, ich untersuchte das andere Bein und entdeckte schnell eine ganz fiese Verletzung an der linken äußeren Zehe: die Kralle war rausgerissen und die Zehe blutverkrustet – nun aber aufgeweicht. Oh Mann!

Behutsam trocknete ich das kleine Kerlchen ab, das sich zwar gewehrt hatte, sich aber von mir trotzdem verarzten ließ. Denn nun musste noch unbedingt ein Wundspray auf die Verletzungen gesprüht werden, zur Desinfektion einerseits und zur Wundheilung andererseits. Tapfer ließ Moritz alles über sich ergehen und kuschelte sein Köpfchen in meine Armbeuge.

Freigelassen, raste er im Schweinsgalopp nach oben und versteckte sich unter meinem Bett. Dort zog ich ihn aber wieder hervor, weil ich Fieber messen wollte. Das gelang mir ebenfalls und das Thermometer zeigte 40.1 Grad. Hohes Fieber! Es war mittlerweile eine halbe Stunde nach Mitternacht, und in die Tierklinik nach Germering wollte ich nicht fahren. Es war ja keine lebensbedrohliche Situation.

Eine halbe Stunde später steckte ich nochmal das Thermometer in Moritz’ Popöchen, nun hatte er 39.5, die Aufregung im Badezimmer hatte ganz offensichtlich das Fieber nach oben getrieben. 39.5 – das war nicht so schlimm.

Bis drei Uhr nachts war an Schlafen nicht zu denken, weil ich dauernd eine meiner anderen Drei auf nächtliche Strawanz gehen wollten. Also tappte ich jedes Mal nach unten, und öffnete die Terrassentür, die Katzenklappe war von innen verschlossen, damit Moritz nicht ausbüchsen konnte, was er natürlich mehrfach versucht hatte. Mittlerweile lag er in der hintersten Ecke unterm Bett und leckte seine Wunden, im wahrsten Sinn des Wortes.

Heute Vormittag rief ich dann die Tierheilpraktikerin an und fragte, ob sie auch Verletzungen behandeln würde. Hätte ja sein können, dass sie nur homoöpathisch behandelt und alles andere den “normalen” Tierärzten überlasst. Aber dem war nicht so, und um halbzehn stand ich mit Moritzchen in der Praxis. Ein schneller Termin, für den ich sehr dankbar war!

Um die Blutverkrustungen aufzuweichen, wurden die Hinterfüße des kleinen Kerls als erstes in ein warmes Seifenbad gesteckt. Das wäre mit Lili völlig unmöglich gewesen, doch Moritz war handsam. Dann wurden die Verletzungen angeschaut. Am rechten Beinchen waren zwei Löcher (ich hatte nur eines entdeckt), also ein Biss. Vermutlich von einem Rivalen. Möglicherweise hat er sich bei der Rauferei auch die Kralle rausgerissen – keine Ahnung.

Die Verletzungen wurden mit Calendula-Tinktur behandelt und oral wurde ihm Arnika verabreicht. Ein paar Tropfen ins Mäulchen. Arnika sei ein Wundermittel bei Entzündungen sein, sagt die Tierheilpraktikerin. Außerdem beruhigt es. Moritz war nach der Behandlung auch deutlich ruhiger als davor, er saß im Körbchen und gab keinen Mucks von sich.

Eben habe ich ihm zwei Milliliter “Ledum” ins Mäulchen geträufelt, im Gegensatz zu Lili hat er das ohne Theater geschluckt. Wofür genau das Medikament gut ist, weiß ich nicht genau, aber es wird auf alle Fälle den Heilungsprozess unterstützen.

Die Wunden habe ich auch gerade beäugt. Der Heilungsprozess scheint in der Tat bereits einzusetzen, denn sie sehen alle relativ gut aus. Auf alle Fälle sind sie nicht prall und hochrot – wie akute und eitrige Entzündungen, die jedem Moment aufzuplatzen scheinen, sondern sind trocken und nicht geschwollen.

Momentan liegt Moritz AUF dem Bett, was auch ein gutes Zeichen ist. Und Joghurt mit dem Vitaminmittel von Lili hat er auch von meinem Finger geleckt. Wäre ich mit ihm zur Tierärztin gefahren, hätte sie ihm Antibiotikum verpasst, das steht fest. Nun hoffe ich, dass die Verletzungen schön weiter heilen – mit “sanften” Medikamenten.

Ich werde weiter berichten.

14 Kommentare zu „Mein neuer Job: Krankenpflegerin“

  • Achje, bei Euch ist aber auch was los!! Ich hoffe natürlich auch, dass die Wunden sanft heilen.. alles Gute von mir!

  • christiane:

    ach Renate, Du bist wirklich eine tolle Tierkrankenschwester. Mensch, im Augenblick kommt aber auch alles auf einmal, hoffentlich nicht auch noch mit Lieschen. Der arme Moritz, ich leide mit ihm und denke mal, Du hast es richtig gemacht, das Du mit ihm bei der Heilpraktikerin warst. Ringelblumensalbe ist sehr gut und er ist bestimmt schnell wieder fit. Knuddel den Süßen bitte von mir, die anderen natürlich auch und für alle ganz viele gute Wünsche zur Besserung von uns vieren
    Deine Christiane mit Lady, Maxel und Günter.

  • Ach Mensch Renate, Du kommst auch zur Zeit gar nicht zur Ruhe :(. Knuddel alle Drei mal ganz dolle von mir und ich drücke ganz doll die Daumen das bei Moritz alles ganz ganz schnell verheilt. Die Drei haben aber auch ein Glück so eine tolle Dosi zu haben :)

  • Ach Du und Deine Krankengeschichten… Ich fühle mit Dir. Dass Arnica auch beruhigt, hatte ich bis jetzt noch nicht gehört, nur dass es bei Prellungen und blauen Flecken Linderung verschafft. Nur mal so aus Interesse, waren das in Wasser aufgelöste Globulis die ins Mäulchen gespritzt wurden, oder wie hat die Heilpaktikerin Arnica verabreicht?
    Unser Tierarzt hatte uns für Bissverletzungen Hexoral – das Mittel gegen Halsentzündungen empfohlen. Die meisten Kampfwunden unserer Maus konnten wir damit gut selbst behandeln.
    Aber bei Deinem Moritz mit den gesammelten Verletzungen war das bestimmt sinnvoll zur Heilpraktikerin zu gehen. Hoffentlich geht es ihm auch ohne Antibiotikum bald besser!
    Liebe Grüße
    Silke

  • Danke für Eure Kommentare!
    Moritz’ Verletzungen heilen gut. Die Bisswunde ist keim bisschen geschwollen, was erstaunlich ist, denn Bisswunden entzünden sich normalerweise heftig. Ich selbst wurde schon zweimal von einer Katze gebissen und hatte jedes Mal einen Arm wie eine Leberwurst.
    Die Verletzung bei der rausgerissenen Kralle heilt auch gut, und riecht auch gut. Eben habe ich sie mit einem speziellen Wundbalsam aus Kräutern besprüht. Ich lasse den kleinen Kerl heute noch drin, weil draußen ja viel Schneematch rumliegt – mit Salz drin. Und da die Wunde an einer Stelle noch offen ist, ist es besser, wenn nichts rein kommt. Moritz steht zwar hin und wieder an der Katzenklappe, geht dann aber bald wieder zurück – ins Bett, wo er neben Felix schläft. Sein Appetit ist auch wieder normal, die homäopatische Behandlung scheint tatsächlich gut zu wirken. Ich bin sehr froh, weil Antibiotikum hat ja einige Nebenwirkungen.
    Liebe Silke, das Arnika wurde als aufgelöste Globuli oral verabreicht.
    Lili hat nach wie vor Appetit und rennt auch wieder draußen rum. Hoffentlich bleibt das so, denn IBD tritt schubweise auf. Aber sie bekommt ja täglich auch eine homoöpathische Mischung, die der Entzündung entgegenwirken soll. Abwarten!
    Liebe Grüße an Euch alle – von Renate und der rekonvaleszenten Fellbande!

  • Doris K.:

    Hallo Renate,
    bin richtig happy, weil sich bei Dir alles zum Guten gewendet hat. Ich freue mich wahnsinnig für Dich!

    Alles Liebe für Dich + Deine “Fellbande”
    Doris mit Sammy

  • Meine Güte. Du mutierst unfreiwillig ja echt zur Krankenschwester. Da kann ich mich mit meinen zwei Triefaugen die ich hier habe (Loui und Éli) noch glücklich schätzen. Ob wohl mir der Loui wieder arge Sorgen macht. Denn seit Donnertag niest er sehr viel und heftig. Eigentlich muss ich erst nächste Woche Freitag wieder zum Arzt, aber wenn das so weiter geht bin ich schon Montag da. Mal sehen.

    In jedem Fall wünsche ich deiner bezaubernden Bande eine gute Besserung und ein schönes Wochenende.

    LG Börgi

  • Da war ja schon wieder mal viel los. Hilfe, Du kommst auch nicht zur Ruhe, liebe Renate. Und wenn die Katzen nicht gut drauf sind, dann leiden die Menschen mindestens so sehr…
    Umso mehr freut es mich zu lesen, daß es jetzt offenbar auswärts geht. Das wünsch ich euch allen jedenfalls von ganzem Herzen.
    Liebe Grüße, Mizi

  • Huhu Renate,

    ich greife auch erst einmal zu Homöopathie,bevor es Chemie gibt. Ich habe GsD einen Tierarzt der zu Homöopathie offen ist.

    Der kleine Mann hatte doch bestimmt Schmerzen * autsch *
    Ich wünsche ihm Gute Besserung und Dir etwas mehr Ruhe.

    LG Kathrin

  • Doris:

    Ach herrje, liebe Renate, Du hast ja ein richtiges Katzenlazarett. ;-) Es freut mich sehr, dass es Lili offenkundig besser geht. Hoffentlich bleibt es ganz lange so. So eine rausgerissene Kralle ist fies, wir hatten das mit unserem Sepperl auch mal. Wir mussten seine Pfote mehrmals in warmem Kamillentee baden, das hat die Wunde schön gesäubert. Ob er ein Antibiotikum bekommen hat, weiß ich gar nicht mehr, aber wahrscheinlich ja. Die Geschichte ist schnell und gut verheilt und die Kralle auch wieder gewachsen. Katzen reagieren gut auf homöopathische Mittel, finde ich. Wenn es geht, nehme ich auch sowas anstatt Chemie. Manchmal geht es halt leider nicht anders. Das mit dem Hexoral als Wunddesinfektion finde ich interessant, das muss ich mir merken. So neugierig wie unser Minniekater ist, stehen uns da garantiert ein paar ins Haus …

    Gute Besserung an die Rasselbande (und Lieschen soll sich ja weiter tapfer halten) und ein schönes Wochenende an Dich.

    Doris

  • renate:

    Die Behandlung ist wohl erfolgreich. Die Bisswunden heilen prima, und die üble Verletzung mit der rausgerissenen Kralle sieht auch gut aus. Hab das Pfötchen jeden Tag in einem Aufguss aus Kamille und grünem Tee gebadet und dann mit Wundbalsam eingesprüht. Auch diese Verletzung heilt gut und heute – die Sonne scheint – lasse ich Moritz wieder raus. Er hat nun ganz brav drei Tage drinnen verbracht, ohne großes Theater. Er hat hin und wieder an der Katzenklappe gerüttelt, ist dann aber davon gezottelt und hat sich zu seinem Schlafplatz begeben – in mein Bett.
    Eben habe ich nochmal das Pfötchen gespült, sobald es trocken ist, werde ich die Klappe öffnen. Da wird er sich wundern … ;-)

    Liebe Grüße – von Renate

    P. S.: Lilis Appetit ist nachhaltig gut! Und die tägliche Medizin (homöopathisch) lässt sie sich mittlerweile auch ins Mäulchen tröpfeln – ohne dass sie hysterisch wird.

  • christiane:

    das sind ja gute Nachrichten, ich habe auch ganz fest die Daumen und unsere beiden die Pfötchen gedrückt. Hoffe, das Moritz sich nicht so schnell wieder mit einem Raufbold einläßt.
    Ganz liebe Sonntagsgrüße an Euch am Ammersee von Christiane & Co.

  • Ohje, was Krankheiten angeht, hattet ihr in diesem Jahr wirklich keinen guten Start. Freue mich so, dass bei Moritz der Heilungsprozess so gut verläuft.

    Sag mal… nun ne ganz blöde Frage von mir … wachsen die Krallen eigentlich nach wie beim Mensch der Nagel?

    LG
    Marlene

  • Vielen Dank für Eure lieben Grüße! Moritz strawanzt nun wieder, die Bisswunde ist super verheilt, und die Wunde mit der rausgerissenen Kralle heilt auch gut. Ich spüle jeden Tag mit Kamille und grünem Tee.
    Ja, die Kralle kann wieder nachwachsen, liebe Marlene. Lieschen hatte mal eine entzündete Kralle, die dann operativ entfernt werden musste. Heute sieht man nichts mehr, die Kralle ist auch wieder da.

    Viele Grüße – Renate

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