Kater Fritz unternimmt einen Ausflug

Eine Geschichte aus: Auf leisen Sohlen

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Das war mein schielender Kater Fritzchen, meine ganz große Liebe. Er ist seit sieben Jahren im Katzenhimmel

Mein Gott, brummte mir der Kopf. Ich hatte das am Abend schon geahnt, als ich einen Blick auf die Flaschen warf, die leer unter dem Esstisch standen. Gezählt habe ich sie vorsichtshalber nicht, aber es waren viele.
Wir hatten Stefans Geburtstag gefeiert. Stefan war ein guter Freund von mir, und im Laufe der Jahre war es so Usus geworden, dass ich die Feier ausrichtete. Als mein Geschenk sozusagen. Die anderen Freunde brachten Wein

und Bier mit, ich war für das Essen zuständig. Wie immer hatte ich eine riesige Schüssel spanischen Kartoffelsalat (mit Majonäse) zubereitet, jede Menge Frikadellen gebraten und als Dessert eine Schokolodenmousse auf den Tisch gestellt. Alles wurde ratzebutz aufgegessen, begleitet von dem Inhalt besagter Flaschen Wein. Ein südafrikanischer Chardonnay, der runter lief wie Öl. Wie gesagt, dass das Ergebnis ein brummender Schädel sein würde, hatte ich schon geahnt und auch gleich ein Alka-Seltzer eingeworfen, aber dessen Wirkung ließ doch sehr zu wünschen übrig.
Ich warf einen Blick auf das Fußende des Bettes, wo normalerweise Fritzchen und Mucki lagen und darauf warteten, dass ich endlich aufstand. Heute lagen sie nicht da. Wahrscheinlich trieben sie sich auf dem Dach herum, Vögel kucken. Von denen saßen nämlich immer welche auf der Antenne, und meine Katzen setzten sich dann mucksmäuschenstill darunter und lauerten ihnen auf. Meistens gingen sie leer aus, aber hin und wieder machten sie doch Beute …
Vorsichtig, damit mein Kopf sich nicht zu sehr bewegte, stand ich auf, ging zur Terrasse und schaute auf das Dach. Nichts zu sehen von meinen Katzen. Ich pfiff. Keine Reaktion. Na ja, der Hunger würde sie bald in die Wohnung treiben – ich schlurfte in Richtung Bad. Im Flur stutzte ich, die Wohnungstür stand einen Spalt weit auf. Ach du Schreck, die letzten Gäste hatten ganz augenscheinlich die Tür nicht richtig geschlossen – aber wo waren die Katzen? Ich warf mir den Bademantel über und eilte ins den Hausflur. Nichts zu sehen, weder von Mucki noch von Fritz. Ich eilte die Treppe runter, pfiff. Nichts! Die Haustür war zwar geschlossen, aber das hatte nichts zu sagen. Meine Katzen konnten längst draußen sein. Mit klopfendem Herzen eilte ich nach hinten in den Garten. Rief und pfiff. Wieder nichts. Oh Mann … ich verfluchte denjenigen, der die Wohnungstür nicht geschlossen hatte, war aber letztendlich selber schuld.
Der Gang um die Häuser war mir mittlerweile ja bekannt, und eine Mischung aus Ärger und Resignation machte sich in mir breit. Wenn die beiden nicht mehr auftauchten, wären das meine letzten Katzen gewesen. Das nahm ich mir vor. Immer wieder diesen Stress, das wollte ich mir nicht antun.
Als ich eine Weile später ins Haus zurückgehen wollte, stand Mucki auf dem Fußabtreter und schien bereits auf mich gewartet zu haben. Sie miaute und rieb ihre Flanke an meinem Bein. Na, Gottseidank! Wenigstens eine, aber wo war Fritzchen? Vielleicht doch auf dem Dach, ich hastete nach oben. Ich schaute in jede Ecke der Wohnung – Katzen können sich nämlich prima verstecken. Selbst wenn man glaubt, jedes Plätzchen zu kennen, so gibt es immer wieder irgendeinen neuen Winkel, in den sie sich zurückziehen und vermutlich einen Riesenspaß haben, ihren Dosenöffner (also mich) dabei zu beobachten, wie er suchend durch die Gegend läuft.

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Nachdem ich ergebnislos mindestens dreimal die Runde durch alle Zimmer gemacht und bei den Nachbarn geklingelt hatte (vielleicht war Fritzchen ja über eine Terrasse in eine Wohnung gelangt), machte ich mich erneut auf den Weg nach unten. Im Keller war er definitiv nicht. In der Tiefgarage auch nicht. Also noch mal in den Garten …
Ich pfiff, und hörte ein Miauen. Fritzchen! Aber es war nicht Fritzchen, sondern Mucki, die oben in der Regenrinne stand. Ich hörte wieder ein Miauen – doch dieses Mal es kam nicht vom Dach, sondern aus einer anderen Richtung. Mein Herz klopfte. Das musste Fritzchen sein, aber wo steckte er? Ich versuchte das Miauen zu orten … es kam aus dem Rosenstrauch unter dem Balkon des Nachbarhauses. Vorsichtig zog ich die Zweige auseinander … am Fuß des Strauches, zwischen knorrigen Ästen, saß doch tatsächlich Fritzchen und schielte mir mit seinen grünen Augen entgegen. Ich weiß nicht, ob ich jemals zuvor derart erleichtert war, wie in diesem Moment. Vermutlich nicht. Wie eine warme Welle zog dieses Gefühl durch meinen Körper, und Fritzchen schien ebenfalls sehr erleichtert zu sein.

Als ich ihn eine Woche später testweise nach unten trug und (innen) vor die Haustür setzte, machte er auf dem Absatz kehrt und spurtete nach oben. Sein Bedürfnis nach Freiheit war wohl gedeckt …

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