Grp grp grp – das schönste Geräusch der Welt
Meine hübsche Lili hat zwar einen robusten Verhalten, dafür aber ein sehr sensibles Innenleben. Sie hatte schon zweimal eine Magenschleimhautentzüngung. Da sie immer sehr gutes Futter bekommt, vermutet die Tierärztin, dass ihr dann einfach was auf den Magen schlägt.

Die Vorboten für so eine Entzündung machen sich schleichend breit: die ohnehin sehr mäkelige Lili, die jeden Bissen, den sie zu sich nimmt, erst beschnuppert und dann verspeist – falls ihr der Geruch zusagt, frisst noch weniger und noch langsamer. Im Gegensatz zu meinen anderen Drei, die alles ruck-zuck verputzen, frisst Lili grundsätzlich relativ wenig und extrem langsam.
Vor drei Wochen stellte ich mal wieder fest, dass sie etwas “weg scharrte”, was sie normalerweise gern frisst: Joghurt. Das ist immer ein schlechtes Zeichen. Aber zumindest fraß sie noch ihr Lieblingsfutter und Thunfisch – aber nur in winzigen Mengen. Dann von einem Tag auf den anderen fraß sie gar nichts mehr. Also, auf zum Tierarzt.
Dort bekam sie eine Aufbauspritze und noch was anderes, von dem ich nicht weiß, was es ist. Normalerweise helfen diese beiden Spritzen, dieses Mal aber nicht. Lili nahm nur noch Ziegenfrischkäse zu sich – in homöopathischen Dosen und gekochte Hähnchenbrust. Letztere musste ich ihr förmlich aufdrängen.
Am nächsten Tag (Samstag) wieder zum Tierarzt und wieder die beiden Spritzen. Am Sonntag dann fraß sie gar nichts mehr und weil die Tierärztin am Sonntag die Praxis geschlossen hat, schleppte ich Lili in die Tierklinik nach Weilheim, denn ich befürchtete Nierenprobleme – weil sie sehr viel Wasser schlabberte. Autofahren findet Lili übrigens auch nicht lustig, sie schrie unentwegt, und meine Nerven lagen nach der halben Stunde Fahrt ziemlich blank.
Die Untersuchung war auch nicht lustig, weil Lili es überhaupt nicht leiden kann, wenn man sie festhält. Sie schreit hysterisch und wehrt sich nach Leibeskräften. Blutige Kratzer sind an der Tagesordnung und durch nichts zu verhindern.
Die Tierärztin meinte dann, Lilis müsse geröntgt und ihr Blut untersucht werden. Das ganze Wartezimmer spitzte die Ohren, als Lili in höchsten Tönen ihren Missmut aus sich heraus schrie. Doch es ist tatsächlich gelungen, ihr ohne Narkose Blut abzunehmen und sie zu röntgen. Die Blutwerte waren Gott sei Dank in Ordnung, also keine Nierenprobleme … wenigstens etwas. Doch das Röntgenbild zeigte eine massive Entzündung der Magenschleimhaut. Lili musste Antibiotika bekommen. Täglich! Die bei anderen Katzen prima funktionierende Methode, die Tablette in Leberwurst einzuhüllen, klappt bei Lili nicht. Sie leckt die Leberwurst ab (wenn überhaupt) und lässt die Tablette liegen.
Die Ärztin gab mir dann den Tipp, Hähnchenfleisch zu erwärmen (warmes Futter riecht stärker als kaltes) und darin die Tablette zu verstecken. Das hat dann tatsächlich geklappt. Ich habe die Tablette gevierteilt und dann in dem Fleisch verpackt. Erst zwei Stücke Fleisch ohne Tablette verabreicht und dann nach und nach das Fleisch mit dem Tablettenteilchen. Uff! Ansonsten hat wie wieder so gut wie nichts gefressen.
Am nächsten Tag brachte ich Lili dann wieder zur Tierärztin, die meinte, es sei zu überlegen, sie an den Tropf zu legen, weil ihr durch das “Fasten” bestimmte Nährstoffe fehlten. Einen Tag warteten wir noch – aber nachdem Lili immer noch außer Ziegenfrischkäse und Hähnchenbrust nichts zu sich nahm, wurde sie nun an den Tropf gelegt. Aber erst, nachdem ihr ein starkes Schlafmittel verabreicht wurde, denn es ist absolut unmöglich, ihr bei vollem Bewusstsein eine Kanüle in die Vene zu schieben und festzukleben.
Nach wenigen Minuten schlief Lili und konnte an den Tropf angeschlossen werden. Dann wurde mein Kätzchen in eine Box gelegt und ich fuhr bedrückt nach Hause.
Abends sollte ich sie eigentlich wieder abholen, damit sie nachts daheim schlafen konnte. Psychomäßig, meinte die Ärztin. Doch gegen 19.00 Uhr rief die Ärztin an und meinte, Lili verhielte sich ruhig, versuche auch nicht die Kanüle rauszureißen und sie empfehle, Lili über Nacht am Tropf zu lassen. Ich war natürlich damit einverstanden, weil ich ja nur das Beste für meinen kleinen Liebling wollte.
Die Nacht ohne Lili war – trotz meiner anderen Rabauken – einsam.
Am nächsten Nachmittag konnte ich sie dann endlich wieder abholen. Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten sehr groß. Und zu Hause angekommen, wich Lili nicht mehr von meiner Seite. Fressen allerdings wollte sie außer dem Ziegenfrischkäse und der Hähnchenbrust immer noch nichts. So ein Mist! Und das Verabreichen der Antibiotikum-Tablette gestaltete sich immer schwieriger, weil sie mit ihrem feinen Näschen das Medikament erschnüffelte und liegen ließ.
Also wieder zur Tierärztin, die meinte, bevor sie Lili nun nochmal sediere um sie an den Tropf legen zu können, sollten wir noch einen Tag abwarten. Mit einem Päckchen Spezialfutter im Gepäck machten wir uns auf den Nachhauseweg. Dort angekommen, bot ich ihr ein Löffelchen von dem neuen Futter an. Lili schnupperte und wandte sich desinteressiert ab. Hunger hatte sie zwar, denn sie ging immer wieder zu ihrem Napf, aber was drin lag, entsprach nicht ihren olfaktorischen Vorstellungen. Ach, was sollte ich mit den Kätzchen nur machen? Eine Woche Behandlung und nichts veränderte sich. Dazu kam noch, dass Lili immer piepsend miaute, so nach dem Motto: bitte gib mir doch etwas, das mir schmeckt. Ach, es war einfach furchtbar! Wie sollte das nur weitergehen, wenn die Behandlung nicht anschlug…
Doch ein paar Stunden später fand sie plötzlich Gefallen an dem Futter und verspeiste es mit Appetit, zumindest ein Löffelchen davon. Wenigstens etwas.
Am nächsten Morgen fraß sie wieder von dem Futter und ich machte den Test mit ihrem sonst so geliebten Trockenfutter, das sie in den vergangenen Tagen allerdings kategorisch abgelehnt hatte. Und was geschah? Lili verputzte es. Grp grp grp …. verspeiste sie Körnchen für Körnchen. Grp, grp grp – was für ein wunderbares Geräusch. Nach all diesen unfreiwilligen Fastentagen für mich schönste Geräusch der Welt!
Kommentare
8 Kommentare zu “Grp grp grp – das schönste Geräusch der Welt”
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Liebe Renate,
da hast Du ja was mitgemacht, Du Arme. Und Lili natürlich auch. :-( Es ist furchtbar, wenn der Leisetreter krank ist und man zum Tierarzt muss mit ihm. Sepperl hat diese Fahrten auch gehasst, er wusste schon, dass da meistens was Unangenehmes kommt. Ich freue mich für Euch, dass es Lili wieder besser geht und hoffe, dass ihr so bald nicht wieder was auf den Magen schlägt. Kann man da nicht vorbeugend was machen, z. B. mit homöpathischen Mitteln? Es muss ja einen Grund haben, dass das immer wieder kommt.
Alles Liebe,
Doris
Liebe Renate,
ach ich weiss noch wie Zausel seinen Harngries Erkrankung hatte.Jeden Tag bin ich mit ihm beim Tierarzt gewesen um wieder seine Spritze zu bekommen. ,Habe vor seiner Katzentoilette gekniet wenn er auf seiner Katzentoilette war, um zu horchen ob er jetzt endlich wieder richtig schnieseln kann.Und dann endlich(nachdem Zausel eine kleine Op hinter sich hatte) war wieder richtiges schnieseln angesagt.Was habe ich mich über dieses Geräusch gefreut.Ich war so glücklich !!! ——-
Ja mein Zausel!!! Heute vor 3Monaten ist er über die Regenbogenbrücke gegangen. Wir reden jeden Tag von ihm.———————————————————-
Ich freue mich,das es Lili wieder besser und schicke ihr viele liebe Streichler von mir.
Liebe Grüße sendet Euch
Christine und Katerchen der vom “Fisch -Kino” total begeistert ist.
Liebe Doris, ja ich freue mich sehr, dass es Lili wieder gut geht und werde jetzt mal sehen, was ich vorbeugend tun kann.
Liebe Christiane, schick doch mal ein Foto vom Fischkino-Kucken….
Lieber Gruß von Renate
Liebe Renate,
ich muss Dich schimpfen. Du schreibst, Lili bekam eine Aufbauspritze und noch etwas anderes, von dem Du nicht wusstest, was es war. Genauer betrachtet ist aber auch “Aufbauspritze” nicht sehr aussagekräftig, oder?
Allen Mitlesern möchte ich eindringlich raten, sich immer genau beim Tierarzt zu erkundigen, welche Medikamente gespritzt wurden. Manche Mittel (z. B. Cortison) können etwas auslösen (in dem Fall Diabetes), andere wie Antibiotika können bei Unverträglichkeit unter Umständen einen allergischen Schock auslösen. Fährt man dann nächtens in eine Klinik und weiß nicht, was der geliebten Katze Stunden vorher verabreicht wurde, müssen die behandelnden Notärzte dann raten und wissen nicht, was vorher gemacht wurde und ob es eventuell daran lag oder nicht. Auch Blutbilder lasse ich mir grundsätzlich ausdrucken und nehme sie an mich. Das aktuelle Blutbild kommt zum Impfpass. Auch das kann bei einer eventuellen Notbehandlung nützlich sein.
Bitte, lasst euch immer sagen, was euren Katzen gespritzt wird. Es ist unter Umständen lebensrettend, das zu wissen. Und überlegt mal, ihr selbst würdet doch sicher niemals einen Arzt mit einer Spritze an euch ranlassen, ohne dass er euch sagt, was drin ist?
Liebe Grüße
Conny
Liebe Conny, es war kein Cortison, sondern Vitamine und Elektrolyte, deren Namen ich nicht weiß. Als es danach nicht besser wurde – wie bei den beiden anderen Malen – bekam sie ein Antibiotikum.
Ansonsten gebe ich dir völlig recht, man sollte wissen, was der Katze verabreicht wird.
Wie geht es Tou???????
Lieber Gruß von Renate
Und noch ein Tipp zur Behandlung von Gastritis. Im Anfangsstadium kann man sich wunderbar mit SEB (Slippery Elm Bark, Ulmenrinde, erhältlich z. B. bei Lucky-Land) behelfen. Auch mein Mann, der ein empfindliches Mägelchen hat, hat schon manche beginnende Gastritis mit SEB kuriert.
SEB ist ein Pulver, das entweder mit warmem Wasser verrührt oder etwas aufgekocht wird – je nachdem, wieviel Zeit man hat. Das ergibt einen glibberigen Brei, den man der Katze ca. 30 Minuten vor der Mahlzeit eingibt. Manchmal geht das nur per Spritze, Tou schleckt das Zeug freiwillig. Nimmt man Fisch- oder Hühnerbrühe, beeinträchtigt dies nicht die Wirkung, schmeckt aber wohl besser für Katzen.
SEB kleidet die Magenwände mit einer “Schutzschicht” aus, wirkt reizlindernd und entzündungshemmend.
Bemerkt man also die ersten Anzeichen von Unwohlsein, kann man erstmal SEB aus der Hausapotheke verwenden und schauen, ob es besser wird.
Übrigens gibt es beim Tierarzt ähnliche Medikamente gegen Gastritis (DiaCat zum Beispiel), die aber wesentlich umständlicher anzuwenden und teurer sind. Die Wirkungsweise ist die selbe.
Liebe Grüße
Conny
Huhu Renate!
Tou gehts prima. :o)
Auch bei Antibiotika sollte man den Namen wissen, denn es gibt so viele unterschiedliche. Manche wirken über drei Tage, eines ist ein 14 Tage lang wirkendes. Es heißt Convenia, weil es so bequem ist, da es nur einmal verabreicht werden muss und dem Besitzer die Mühe mit den täglichen Tabletten erspart. Ob es allerdings wirklich so toll ist, ist mittlerweile umstritten. Meine bekämen es nur im absoluten Notfall.
Ich vergesse nie einen Fall aus dem Diabetesforum, bei dem ein Kater fast an einem allergischen Schock gestorben wäre, ausgelöst durch ein Antibiotikum. Zum Glück wusste die Besitzerin, was da in der Spritze war, und konnte schlussfolgern und reagieren.
Liebe Grüße
Conny
Danke für den Tipp, liebe Conny, das SEB werde ich mir zulegen.
Den Namen des Antibiotikums habe ich vergessen, aber es musste über mehrere Tage eingegeben werden. Und es wurde auch erst gegeben, nachdem die “sanften” Mittel nichts gebracht haben. Und wenn eine Katze mit hungrigem Blick vor dem Napf sitzt aber partout nichts frisst, dann bleibt mir nichts anderes übrig… leider.
Gib Tou einen lieben Nasenstüber von mir. Ich freue mich so sehr, dass der kleine Kerl wieder wohlbehalten aufgetaucht ist!!! Renate