Erleichterung
Vorgestern Abend kam ich so gegen acht Uhr nach Hause. Auf dem Sessel lag Moritz. Das ist ungewöhnlich – bei warmem, schönen Wetter, denn um diese Jahreszeit strawanzt er viel und ich sehe ihn kaum.
Also freute mich mich umso mehr und hoch ihn hoch, den kleinen Kerl. Er miaute – kläglich. Aha, da tat ihm also was weh. Durch vorsichtiges Abtasten stellte ich fest, wo die Ursache liegen musste … am linken Hinterlauf. Den untersuchte ich und fand eine leicht verklebte Stelle, pulte die Haare auseinander und fand eine Verletzung. Die Haut hatte ein Loch, ungefähr 7 Millimeter groß. Tierarzt!
Ich rief an, der Tierarzt war gerade im Begriff die Praxis zu verlassen. Mist! Ich klingelte bei meinen Nachbar, die Frau ist Ärztin. Die sollte einen Blick auf Moritz’ Verletzung werfen. Die Frau war nicht zu Hause, aber der Mann. Und der erzählte mir, dass er kurze Zeit vorher zwei Katzen laut schreien gehört hatte und Moritz war augenscheinlich dabei gewesen, denn eine schwarze Katze sei wie ein geölter Blitz davon gerast. Also mal wieder eine Auseinandersetzung zwischen zwei Katern. Und Moritz hatte in seinem Schreck das schützende Zuhause gesucht.
Mit desinfizierendem Wundspray behandelte ich Moritz Verletzung und dann düste er wieder ab – der kleine Raufbold.
Die ganze Nacht tauchte er nicht auf und am nächsten Vormittag auch nicht. Meine Absicht, ihn zum Tierarzt zu bringen, konnte ich also vergessen. Nichtsdestrotrotz fuhr ich doch hin und holte erstens Tabletten um meine vier Racker zu entwurmen und rein prophylaktisch Antibiotikum für Moritz zu besorgen. Erfahrungsgemäß entzünden sich Bissverletzungen immer. Sie eitern – ohne Ausnahme.
Moritz tauchte aber den ganzen Tag nicht auf. Lag er irgendwo unter einem Strauch und “leckte seine Wunden”? In Abständen von zwei Stunden ging ich rufend und pfeifend (ich habe einen speziellen Katzenpfiff) ums Haus herum. Alle Katzen tauchten auf, nur Moritz nicht. Mittlerweile war Abend und Moritz seit über 24 Stunden nicht mehr zu Hause gewesen. Ich machte mir Sorgen und lief erneut ums Haus herum. Nichts! Felix kam angetippelt, Lieschen kam angetippelt und Lili sowieso. Aber Moritz blieb verschwunden. In meinem Bauch grummelte es! Wo steckte der kleine Kerl nur, und vor allem … wie ging es ihm? Ich wollte seine Verletzung anschauen und ihm das Antibiotikum geben. Doch Moritz tauchte nicht auf. Meine Laune sank auf Null, ich hatte Angst um mein verletztes Katerchen.
Eine Stunde vor Mitternacht plötzlich stand er auf der Terrasse. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen! Ich hob ihn hoch, und er miaute wieder. Ich drückte vorsichtig an seinem Hinterlauf herum … miau! Schmerzen … gut, dass ich vorsorglich das Antibiotikum besorgt hatte. Ich wickelte es in Käse ein, und Moritz schluckte es schwuppdiwupps hinunter. Gott sei dank! Der gefüllte Napf war halb leer gefuttert und Moritz verzog sich unters Bett. Aha. Eine Katze, die sich unters Bett verzieht, fühlt sich nicht gut. Normalerweise liegt er AUF dem Bett und nicht darunter. Ich verschloss die Katzenklappe, damit er nicht ausbüchsen konnte, denn er sollte die Nacht im Warmen verbringen. Ich denke mir, das ist für eine verletzte Katze besser als draußen, wo die Temperaturen nachts doch empfindlich nach unten gehen.
Er hat die ganze Nacht unter dem Bett auf einem großen Kissen gelegen. Das war bestimmt gut für seine Genesung. Um acht Uhr öffnete die Terrassentür, und eine Stunde später war Moritz schon wieder unterwegs. Aber er hat das Antibiotikum und ich hoffe, dass ich dem Revierverteidiger heute Abend irgendwann die nächste Tablette verabreichen kann. Antibiotikum muss man über nämlich über mehrere Tage geben. Warum, das weiß ich nicht, aber es ist halt so…

Ach, frei laufende Katzen bereiten einem doch mehr Kopfzerbrechen als Wohnungskatzen. Aber meine Leisetreter sind die Freiheit gewohnt und so freue ich mich täglich aufs Neue, wenn meine vier Racker wohlbehalten von ihren Ausflügen zurückkommen.
Kommentare
7 Kommentare zu “Erleichterung”
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Hallo Renate
das kann ich nur bestätigen. Freigänger bereiten deutlich mehr Kopfzerbrechen.
Antibiotika muss man über mehrere Tage geben, weil sich erst ein Wirkspiegel im Blut aufbauen muss, der dann über einen gewissen Zeitraum gehalten werden muss, um nachhaltig zu wirken. Wenn man zu früh absetzt, kann es sein, das nicht alle Keime bekämft wurden und die Entündung zurückkommt.
Wir drücken die Daumen, das es schnell vorbei ist mit der Verletzung
Grüße
Axel
Aha, danke für die Information, lieber Axel. Moritz kam jeden Tag nach Hause und ich konnte ihm die ganze Tablettenration verpassen.
Und es geht ihm längst wieder gut. Gott sei Dank!
Lieber Gruß von Renate
Hallo Renate,
nachdem ich nun nach längerer Zeit hier mal wieder vorbeigeschaut habe, war ich doch etwas erstaunt, dass bei Dir gleich mit solchen Kanonen auf Wunden geschossen wird. Allerdings scheint es in dem Fall ja auch wirklich nötig gewesen zu sein.
Mein Tierarzt gab mir für unsere Kampfmaus den Tipp Wunden freizuschneiden und mit Hexoral – dem Mittel für Halsentzündungen – zu behandeln. Das hat wahrscheinlich den ein oder anderen Tierarzt-Besuch bzw. Antibiotika-Gabe bei Maus und dem Kater meiner Mutter verhindert. Auch wenn sich mal eine Zecke angedockt hat, nehmen wir jetzt Hexoral zur Wund-Desinfektion.
Zumindest unsere Maus hat es vor ein paar Wochen ganz schön umgehauen, als wir ihr Antibiotika wegen einer Bindehautentzündung geben mussten.
Da hat es Dein Moritz anscheinend genau richtig gemacht, dass er erst abends vorbei kam. Denn ich hatte unserer Maus die Tablette morgens verabreicht. Da war ihr Tag fast gelaufen. Erst am späten Nachmittag zottelte sie ganz langsam in ihren Garten. Die schönen Sommertage waren ihr in dieser Zeit ziemlich egal.
Da kam der Kater meiner Mutter mit der Antibiotika-Spritze besser weg. Wirkungsdauer 10 Tage. Der war nur einen Tag außer Gefecht gesetzt, als er eine entzündete Nase vom Kampf mit dem Jungvolk hatte…
Liebe Grüße
Silke
Bitte Vorsicht beim Wunden desinfizieren bei Katzen, denn was wir Menschen gut vertragen, ist für Katzen hochgiftig: Jod.
Deshalb immer nur ein Desinfektionsmittel vom Tierarzt verwenden und nix aus der Hausapotheke.
Desinfektionsmittel für Katzen enthalten meist Wasserstoffperoxid.
Gruß bel
Danke für diesen wichtigen Hinweis!
Lieber Gruß von Renate
Aha, das ist wirklich ein wichtiger Hinweis. Ich wusste nicht, dass Katzen Jod nicht gut vertragen. Danke!
Moritz ist längst wieder fit … der kleine Racker. Und bei warmem Sommerwetter sehe ich ihn nur sporadisch. Aber einmal am Tag kommt er angedackelt … dann weiß ich, es geht ihm gut und bin nicht traurig, wenn er sich gleich wieder aus dem Staub macht – nach der Raubtierfütterung.