Katzen brauchen unsere Hilfe
Mirjam Kirschsieper, die 1. Vorsitzende des Gemeinnützigen Vereins TWINKLE TRUST ANIMAL AID Deutschland e.V., hat mir erlaubt, diesen Beitrag von ihr zu veröffentlichen. Vor Menschen wie Mirjam, Conny und anderen, die sich hingebungsvoll für das Wohl von Tieren einsetzen, kann ich nur mit größtem Respekt den Hut ziehen!

Besonderes Kennzeichen: Tierschützer
Reisezeit ist mittlerweile ganzjährig, sonnige Ziele erfreuen sich bei den Urlaubern großer Popularität. Im wohlverdienten Urlaub möchten wir uns erholen, die Seele baumeln lassen und sehen oft über negative Faktoren im Urlaubsland wie Armut, Umweltverschmutzung oder Tierelend hinweg. Wir sind auf angenehme Eindrücke programmiert und wollen nicht belastet werden.
Mir ging es genauso, bis ich auf meiner Kanarischen Lieblingsinsel Fuerteventura hautnah mit einem bestürzenden Tierschicksal konfrontiert wurde. Die englische Tierschutzorganisation Twinkle Trust Animal Aid, deren Mitglieder ich bei mehreren Inselaufenthalten kennenlernte, bat mich um Hilfe bei einer stark verletzten Katze. Sie war an allen vier Pfoten von einem Unbekannten gefesselt und lebendig begraben worden. Wie lange sie bei sengender Hitze im heißen Sand aushalten musste, bis sie ein tierlieber Spanier beim Gassigehen mit seinen beiden Hunden entdeckte, weiß keiner. Wir mussten Treasure, wie wir die Katze tauften, schnellstens nach Deutschland zum Tierarzt bringen und hofften, dass dies nicht zu spät ist. Doch wir hofften vergebens. Ihre Beinverletzungen waren leider so stark, die Sehnen bereits extrem eingetrocknet, dass alle Versuche, ihr junges Leben doch noch zu retten, vergeblich waren.
Treasure war eine so liebe, anschmiegsame Katze, die uns allen in dieser kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen ist. Sie bleibt unvergessen. Und Treasure ist die Antwort auf die Frage „Warum tust du dir das alles an?“ Darum! Damit anderen Tierseelen dieses Schicksal hoffentlich erspart bleibt.
Wir haben danach Twinkle Trust Animal Aid bei den Kastrationsaktionen aktiv, finanziell und materiell unterstützt. Im Oktober 2005 gründeten wir dann konsequenterweise Twinkle Trust Animal Aid Deutschland e.V.

Wer liegt uns am Herzen?
Wir kümmern uns vorwiegend um Streunerkatzen.
Streuner, das sind Haustiere, die ohne menschliche Aufsicht/Überwachung leben. Allerdings sind sie nicht nur von natürlichen Beutetiere beim Futter abhängig, sondern auch von Abfällen, die sie im Hausmüll der Menschen finden. Deshalb halten sich Streuner in der Nähe von menschlichen Lebensräumen auf.
Streuner unterteilen sich in 2 Kategorien, die Übergänge sind fließend. Da gibt es die „Gemeinschafts-Streuner“ um die sich eine oder mehrere Personen kümmern, diese mit Futter versorgen, die Tiere aber weiterhin unbeobachtet herumlaufen. Diese Tiere befinden sich in menschlichen Lebensräumen. Außerhalb dieser Lebensräume lebt die 2. Kategorie, die „Verwilderten-Streuner“. Diese leben völlig selbstständig ohne menschliche Obhut und Futterversorgung.

Warum liegen sie uns am Herzen?
Aus vielen verschiedenen Gründen können Streuner zu einem Problem werden. Sie haben Krankheiten, die sie auf den Menschen oder andere Tiere übertragen können (z.B. Tollwut), sie verursachen Verkehrsunfälle, belästigen Menschen durch ihre Anwesenheit und Futterbetteleien, beschädigen Sachen und verschmutzen die Umwelt.
Streuner werden auch für sich selbst zu einem Problem. Sie werden krank, leiden Hunger und Durst, sind Aggressionen untereinander ausgesetzt. Dazu kommt noch die Verfolgung durch den Menschen in Form von Gewalt, Misshandlung und inhumanen Tötungsmethoden.
Wo kommen sie her?
Es gibt Tierbesitzer, die ihre Tiere sich selbst überlassen und diese Tiere kommen dann irgendwann nichtmehrnachHause sondern schließen sich Streunerclans an. Oder Menschen setzten Tiere aus, oft unkastriert und vergrößern so die Populatio der Streuner. Die neugeborenen Kitten bilden dann die nächste Generation der Streuner und so geht es weiter. Allerdings ist deren Überlebenschance nicht sehr groß.
Dann gibt es noch Tiervermehrer, die Tiere produzieren lassen um Geld zu verdienen. Viele dieser Tiere sind schlecht sozialisiert und /oder krank. Diese sind dann oft keine idealen Haustiere und landen dann auf der Straße.
Was tun?
Das Übel bei der Wurzel packen. Mit politischen Vertretern, Behörden, Tierärzten und der Bevölkerung zusammenarbeiten. Den Tierschutz durch Gesetze in den Alltag mit aufnehmen. Kleine Schritte wie z.B. die Chippflicht bei Haustieren können schon hilfreich sein.
Jedes Land, ,jedes Tier braucht individuelle Vorgehensweisen und es wird ein sehr langer Weg werden. Auch die Aufklärung der Menschen in ihrer Landessprache und das Bewusstmachen menschlicher Verantwortung sind zwei Säulen unsererr Tierschutzarbeit und sollte bereits im Kindergarten begonnen werden. Auch unsere Tiergefährten sollten nicht zu ungewollten Vermehrungen beitragen, unsere Verantwortung ist hier gefragt.
Und wenn nun schon eine Population von Streunern vorhanden ist? Wie gehen wir damit um? Wir wenden dann das TNR-Prinzip an. TNR bedeutet: Trap-Neuter-Release, also Einfangen-Sterilisieren/Kastrieren-Freilassen
Die Vorteile dieser Vorgehensweise sind:
• Reduzierung der Zoonosen (Krankheiten, die auf den Menschen gehen),
• Gesundheitsförderung der Streuner, deren körperliche Ressourcen nicht mehr durch Fortpflanzung geschwächt werden oder die sich bei der Paarung infizieren
• keine Nachkommen, die sehr wahrscheinlich Notleiden und jung versterben
• sterilisierte/kastrierte Tiere, die wieder zurück in ihren Lebensraum kommen, halten andere Streuner davon ab, sich dort anzusiedeln
• auch sterilisierte/kastrierte Tiere fangen noch Schädlinge (z.B. Nager)
Was macht Twinkle Trust Animal Aid konkret?
TTAA England und TTAA Deutschland reisen zweimal im Jahr mit einem Team für eine Woche nach Fuerteventura und führen dort – mittlerweile mit Unterstützung der Hotelgruppen – Kastrationsaktionen für Streunerkatzen durch.
Die Teams bestehen aus einer Koordinatorin, Tierfängern, Tierärzten und Tierarzthelferinnen, die alle ehrenamtlich tätig sind und einen Teil ihres Erholungsurlaubs „opfern“. Die Kosten für Flüge, Unterkunft, Mietautos, Lebendfallen, Käfige, medizinisches Verbrauchsmaterial etc. werden durch Spenden- und Privatgelder bestritten.
Im Vorfeld werden nach Infos von Hotels, Einzelpersonen oder anderen Tierschützern, die Gebiete ausgesucht, wo die Katzenpopulationn überhand nehmen. Die Helfer werden in verschiedene Gruppen aufgeteilt, die sich früh am Morgen auf den teilweise ca. einstündigen Weg in das Fanggebiet machen. Dort versuchen sie die meist hungrigen Tiere mit Futter anzulocken und sie dann mittels Lebendfallen, viel Geduld und beherztem Zugreifen einzufangen. Einen gültigen Tetanusschutz sollte schon jeder Fänger haben. Die Tiere werden dann zügig zum Operationsort gebracht, einem Gesundheitscheck unterzogen, kastriert und durch die Entfernung der linken Ohrspitze gut sichtbar markiert. So wird ihnen ein versehentlicher erneuter oder zweiter Eingriff erspart. In den vergangenen Jahren wurde ein einfaches Urlaubsappartement in einen OP verwandelt, mittlerweile hat sich durch einen glücklichen Zufall eine professionellere Lösung gefunden. Elly, eine holländische Tierfreundin, hat uns auf ihrem Fincagrundstück Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Es gibt nun einen zweckmäßigen OP mit Tageslicht, Frischluftzufuhr, Wasseranschluss und Steckdosen. Den Tieren steht zudem nach der Operation ein kühler gesonderter Raum zur Verfügung, in dem sie noch einen Tag zur Beobachtung verbringen. Die ehemalige Garage ist nicht mehr wiederzuerkennen und dient während der Aktionen als Katzenhospital. Ansonsten steht sie den Fincakatzen als wettergeschützte Unterkunft zur Verfügung.

Nach überstandener OP und angemessener Beobachtungszeit werden die kastrierten Streuner wieder an ihren Fangplatz zurückgebracht. Wir sprechen hierbei von durchschnittlich 250 Tieren pro Aktion.Tiere, die noch weiterer Pflege bedürfen, bleiben in unserer Obhut bis sie genesen sind. Können Sie nicht mehr an ihren Fangort zurück , bleiben sie entweder auf der Finca oder wir suchen für sie ein neues Zuhause, das sowohl auf Fuerteventura als auch außerhalb sein kann.
Wir kastrieren nicht nur in den Hotelanlagen, sondern haben durch sehr gute Kontakte und Akzeptanz bei der lokalen Bevölkerung die Möglichkeit, ins Hinterland, in die Dörfer zu gehen. Während sich die Situation der Hotelkatzen positiv entwickelt hat, auch dank der Futterplätze (Cat Cafés), die wir einrichten, hat sich das Streunerproblem in die weniger touristisch besuchten Gebiete verlagert. Uns steht eine sehr engagierte Majorera zur Seite, die mit den Dorfältesten spricht und uns und unsere Arbeit vorstellt. Wir brauchen das Vertrauen der lokalen Bevölkerung, ansonsten würden wir auf lange Sicht nichts verbessern. Viele Spanier nehmen unsere Hilfe an und sind auch an Aufklärung bzgl. Tierhaltung interessiert.

Eines ist mir ganz wichtig: Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass sich Tierschutz nur auf Fuerteventura und auf Katzen beschränken sollte. Es gibt genug Tierelend direkt vor unserer Haustür, und auch Nutztiere betreffend. Es wäre schön, wenn wir alle dafür einen Blick bekämen und auf unsere Weise im Rahmen unserer Möglichkeiten bereit wären, Hilfe zu leisten.
Wenn ich nun Ihr Interesse für unsere Tierschutzarbeit geweckt habe, dann schauen Sie doch mal für weitere Angaben auf unserer Webseite vorbei.
Helfen Sie uns, den Streunerkatzen zu helfen. Wenn nicht SIE, wer dann?
Tierische Grüße
Ihre Mirjam Kirschsieper,
1. Vorsitzende
TWINKLE TRUST ANIMAL AID Deutschland e.V.
Offizielles Mitglied bei WSPA (World Society for the Protection of Animals)
Kommentare
2 Kommentare zu “Katzen brauchen unsere Hilfe”
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Toll, was Ihr da auf die Beine stelle, Mirjam!
Alles Gute für Euch und Eure Katzen!
Lieber Gruß von Thomas
[...] für sinnvollen Auslandstierschutz findet ihr zum Beispiel hier, wobei ich natürlich die oben genannte Aktion nicht schlechtreden möchte [...]