Annie, die Katze ohne Augen

Annie, die schneeweiße Katze aus Fuerte Ventura … hier ihre Geschichte. Veröffentlicht in “Das kunterbunte Katzenbuch“.
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Foto: Axel Sand

Annie wurde am 5. Oktober 2005 auf Fuerteventura geboren. Aufgrund eines Katzenschnupfens mussten ihr Anfang Dezember beide Augen entfernt werden, danach kam sie in eine Pflegestelle. Durch ihr schneeweißes Fell war klar, dass sie in Spanien nicht bleiben konnte, da sie extrem hautkrebsgefährdet war, und so kam sie in die Vermittlung von „Twinkle Trust“.

Weil wir in einer Mietwohnung leben und bereits vier Katzen haben, die prima miteinander auskommen, war unser Boot eigentlich voll. Francis hatten wir im Mai, ebenfalls von Twinkle, aufgenommen, und der arme Kerl war so verängstigt, dass es Monate gedauert hat bis er aufgetaut war, und zu dem Zeitpunkt, wo Annie zur Vermittlung stand, hatte er sich gerade erst von seiner Angst größtenteils befreit.

Annie fanden zwar alle niedlich, nur nehmen wollte oder konnte sie ernsthaft keiner, und so beschlossen wir, die Kleine zumindest in Pflege zu nehmen – mit der Option, falls es klappen sollte, sie auch zu behalten.
Am Heiligen Abend 2005, kurz vor Mitternacht, kam sie in Düsseldorf an. Wir hatten uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht, was sie wohl so brauchen könnte und was wir berücksichtigen müssten, damit sie mit ihrer Behinderung bei uns klarkommt. Unter anderem hatten wir ein Katzenklo mit niedrigem Einstieg ausgeliehen, Kittenfutter gekauft und das Schlafzimmer, das die Pflegestelle sein sollte, gemütlich für sie hergerichtet. Auch wussten wir nicht, wie unsere etablierte Bande mit ihr klarkommen würde und wollten sie gegebenenfalls auch vor ihr schützen.

Die Kleine belehrte uns eines Besseren. Sie kam, wurde neugierig begrüßt von unserem Haufen und stieg als erstes in das große Katzenklo. Danach suchte sie den Futterplatz auf, ließ das Kittenfutter stehen und machte sich über die großen Nutrokroketten her. Dabei wurde sie neugierig, aber in keinster Weise aggressiv, von unserem Haufen beobachtet, und Annie selbst hatte auch keine Berührungsängste.

Interessiert erkundete sie die neue Umgebung, nahm sie quasi in Besitz. Sie wählte ihren Weg, immer an der Wand entlang, den sie bis heute nimmt. Sie entdeckte das zweite Katzenklo im Flur, und von diesem Augenblick an war sie zu Hause.

Kurze Zeit später kam sie von alleine zu uns auf die Couch und schmuste. Dabei schnurrt sie ganz laut, wie eine kleine Nähmaschine. Später, als wir ins Bett gingen, nahmen wir sie mit, und sie schlief ganz dicht an uns gekuschelt ein. Als wir morgens wach wurden, war sie immer noch im Bett. Wir haben dann aber festgestellt, dass sie nachts aufgestanden war um auf das Katzenklo zu gehen. Sie hatte sich also von allein zurecht gefunden.

Am ersten Weihnachtstag, nach nicht einmal zwölf Stunden bei uns, kannte sie sich schon aus. Sie benutzte immer dieselben Wege, stieß nirgendwo an und erstaunte uns sehr durch ihre Geschicklichkeit.

Mit den anderen Katzen hatte sie sich auch schnell arrangiert und ihren Liebling ausgeguckt, Lenny, ebenfalls ein Twinkle-Fuerte-Kater, den wir als Baby aufgenommen hatten und der sofort den Vater rauskehrte. Er putzte sie, kuschelte und spielte mit ihr. Damit war klar, dass sie bleiben würde.

Unser Katzenspielzimmer ist voll mit Kratzmöbeln, die zum Teil bis zur Decke reichen, aber Annie hat auch damit keinerlei Probleme, klettert auf die höchsten Plattformen und wieder herunter. Es gibt lediglich zwei Plätze, von denen sie nicht alleine runterkommt. Dort setzt sie sich an den Rand und ruft uns, ohne Panik, bis wir sie herunterholen. Anfangs machten wir uns Sorgen, was wohl passieren würde, wenn wir nicht zu Hause wären, schließlich sind wir berufstätig. Doch wenn wir nicht da sind, meidet die schlaue Katze einfach die­se problematischen Stellen.
Sie machte eine ganz normale Entwicklung durch, ist verspielt, bisweilen auch richtig wild. Wenn man sie durch die Wohnung rennen sieht, kann man gar nicht glauben, dass sie keine Augen hat. Sie kennt jeden Winkel, weiß immer, wo sie sich befindet, auch dann, wenn man sie irgendwohin getragen hat. Sie hat keine Angst, greift sogar spielerisch Charly, den mächtigen Maine-Coon-Kater, an.

Interessant war auch zu beobachten, dass alle unsere Katzen Annie gegenüber ihre Rolle eingenommen haben. Lacey ist die Chefin, und Annie hat Respekt vor ihr. Wenngleich Lacey ihr nichts tut, lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie die Herrin im Katzenhaus ist. So kann es passieren, dass eine wild spielende Annie in eine schlafende Chefin läuft. Dann bekommt sie eine gelangt, aber stets ohne Krallen.
Lenny ist ihr bester Freund, aber auch ihr Opfer. Mit ihm kuschelt sie am meisten, balgt aber auch am meisten mit ihm, und auch er lässt sie gewähren. Wenn es ihm zuviel wird, geht er einfach davon. Francis ist so etwas wie der gute Onkel. Mit ihm spielt sie viel, und Charly, den Lenny damals adoptierte und der das Gleiche mitgemacht hat, was Lenny jetzt mit Annie erlebt, hält vornehm Distanz, wenn Annie ihre wilde Zeit hat. Seit geraumer Zeit kuschelt sie sich sogar an ihn heran.
Annie ist keine klassische Schmusekatze. Sie bestimmt, wann es Zeit ist, obwohl sie auch oft Nähe sucht. Ansonsten ist sie immer bereit für Spiele und Unsinn. Wenn sie müde ist, legt sie sich irgendwo hin, und wenn dort eine andere Katze liegt, dann verjagt sie die­se, wenn sie nicht kuscheln möchte, mit Ausnahme von Lacey, da geht sie lieber. Wir denken, die Rollenverteilung funktioniert prima, und Annie lernte relativ schnell, ihren Platz im Rudel zu finden.
Interessant ist noch zu erwähnen, dass Annie durch die Wohnung spurtet ohne anzustoßen und auch die Spiel­angel zielsicher anvisiert und fängt, selbst, wenn wir es für unsere Ohren geräuschlos machen.
Seit ein paar Wochen fängt sie auch Fliegen. Sie bleibt dabei ganz regungslos sitzen, und sobald die Fliege sich niederlässt, schlägt Annie zu – und trifft auch meistens.

Die Kleine ist einfach der Hit, und Besucher können nicht glauben, dass sie nichts sieht. Wenn wir beim Putzen kurzfristig die Möbel umstellen, bewegt sie sich vorsichtiger und stößt auch dann nicht an. Sie scheint das neue Hindernis zu wittern und geht vorsichtig darauf zu, um im rechten Moment auszuweichen.
Soviel zu unserer Annie, die viel Freude in unser Leben bringt und die auch ohne Augen sehr gut sieht …
©Martina und Axel Sand

Kommentare

3 Kommentare zu “Annie, die Katze ohne Augen”

  1. Cecie am September 17th, 2007 10:53

    hach, tolle fotos macht axel und die geschichte zu annie und wie sie ihr leben lebt ist einfach ganz zauberhaft und wärmt mir das herz – kitschig, aber wahr. ich fühle mich an meine Smillakatze erinnert, die ihr letztes jahr bei mir auch blind verbringen musste – nach einer kleinen umstellung ohne einschränkungen. toll, unsere katzen, nicht? bitte gern mehr so geschichten, die uns menschen unsere engstirnigkeit gegenüber “behinderungen” zeigen und vor allem, dass es unnötig ist…

  2. Axel am September 18th, 2007 19:46

    Hallo Cecie
    wir sind ja nicht ganz unerfahren im Umgang mit Katzen. Trotzdwm hatten wir schon ein wenig Bammel davor, als Annie zu uns kam. Wir hatten im Vorfeld schon tausend Gedanken,wie man die Wohnung sicher für Annie machen kann. Das diese Gedanken unnötig waren, hat uns schon sehr erleichtert. Ein behindertes Tier ist sicherlich viel unbefangener und verläßt sich auf die übrigen Sinne, die aber messerscharf sind.
    Diese kleine weisse Wolke wickelt jeden, der sie erlebt, um die kleine Kralle.
    Grüße
    Axel

  3. Renate am September 18th, 2007 19:51

    Um die kleine Kralle wickeln … schön ausgedrückt: :-))
    Lieber Gruß an Euch und die kleine weiße Wolke – von Renate

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