Fritzchen – meine ganz große Liebe
Fritzchen war meine ganz große Liebe. Wie er in mein Leben getippelt kam, steht in dieser Geschichte aus meinem ersten Katzenbuch “Auf leisen Sohlen.”

Bis vor kurzem drei Katzen, jetzt nur noch eine. Die Wohnung wirkte leer und verwaist. Die Hoffnung, dass Putzel doch noch auftauchte, wurde von Tag zu Tag geringer. Nach drei Monaten fand ich mich damit ab, dass ich ihn nicht mehr wieder sehen würde, und es liefen auch keine Tränen mehr über meine Wangen, wenn ich an ihn dachte oder sich jemand nach ihm erkundigte. Nur in meinem Bauch hatte sich so ein Gefühl von Traurigkeit eingenistet.
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Eine Katzengeschichte aus der Schweiz
Gehäuft, nicht gestrichen!
Vergessen Sie alles, was Sie bisher über zuverlässige Weck-Methoden zu wissen glaubten, denn wenn es ein zuverlässiges Wecksystem gibt, dann ist es gewiss nicht der Wecker von Braun, auch nicht die Atomuhr in Frankfurt oder eine Kuckucksuhr aus der Schweiz. Nein, es ist der Dschinghis Khan der Züricher Vorgärten, der Napoléon Bonaparte des Kompostwalmes, der Hernán Cortés (spanischer Eroberer, Anmerkung der Redaktion) der Nachbarsveranda!

Kater Fritz unternimmt einen Ausflug
Eine Geschichte aus: Auf leisen Sohlen

Das war mein schielender Kater Fritzchen, meine ganz große Liebe. Er ist seit sieben Jahren im Katzenhimmel
Mein Gott, brummte mir der Kopf. Ich hatte das am Abend schon geahnt, als ich einen Blick auf die Flaschen warf, die leer unter dem Esstisch standen. Gezählt habe ich sie vorsichtshalber nicht, aber es waren viele.
Wir hatten Stefans Geburtstag gefeiert. Stefan war ein guter Freund von mir, und im Laufe der Jahre war es so Usus geworden, dass ich die Feier ausrichtete. Als mein Geschenk sozusagen. Die anderen Freunde brachten Wein
Die Katze im Kaninchenpelz
Das zweitliebste Haustier des Menschen in Deutschland ist der Hund. Das allerliebste die Katze.
Was mich betrifft, so bevorzuge ich Katzen. Weil sie nicht stinken, wenn sie in den Regen kommen, sondern höchstens ein bisschen nach nasser Schafwolle riechen. Und weil sie nicht hysterisch bellen, wenn sie sich freuen, sondern nur leise schnurren. Und weil man mit ihnen nicht Gassi zu gehen braucht, wenn sie mal müssen. Und weil sie einem als Liebesbezeugung nicht mit schlabberiger Zunge übers ganze Gesicht lecken, sondern mit trocken-rauhem Zünglein höchstens die Nasenspitze reiben.
Fragt man aber beliebige Zeitgenossen, was sie an Katzen ganz besonders schätzen, kann man Wetten darauf abschließen, dass sie sagen, „weil sie so eigenwillig sind“. Ich halte diese Aussage entweder für unreflektiert oder für gelogen. Denn genau diese Eigenwilligkeit ist es, die ich an diesen Pelzviechern absolut nicht leiden kann. Liege ich beispielsweise neben meiner Katze auf dem Sofa und bekomme Lust, mit ihr zu schmusen, hat diese garantiert keine Lust dazu, sondern wendet sich demonstrativ ab oder verlässt mit peitschendem Schwanz die Liegestatt und sucht sich ein Plätzchen, an dem sie von mir unbehelligt bleibt. Sie wetzt unters Bett, beispielsweise, oder springt mit einer eleganten Bewegung auf den Schrank.
Habe ich einen Termin beim Tierarzt, weil sie geimpft werden muss, kann ich Gift darauf nehmen, dass sie sich diskret aus dem Staub gemacht hat und in aller Seelenruhe unter irgendeinem Strauch im Garten liegt.
Ich kann rufen und pfeifen so lange ich will, sie taucht garantiert nicht auf. Ich muss den Termin absagen und darauf hoffen, dass der Tierarzt irgendwann Zeit hat, wenn die Katze sich im Haus aufhält und ich sie packen und in den Korb bugsieren kann. Was sie übrigens nicht ausstehen kann. Sie wehrt sich, faucht und kratzt und meine Arme sehen jedes Mal aus, als hätte ich mit einem Rosenstrauch gekämpft.
Befehle ich meiner Katze, dem Fisch, der zum Auftauen auf der Anrichte liegt, fern zu bleiben, schaut sie mich mit großen, verständnislosen Augen an, und ich kann sicher sein, dass sie an dem Fisch herum knabbert, sobald ich der Küche den Rücken kehre.
Sage ich – in kategorischem Ton und untermalt mit drohender Gebärde des Zeigefingers – zu meiner Katze nach dem Ausflug bei Regen in den Garten, sie solle sich unterstehen auf den Sessel zu springen, kümmert sie das genauso wenig. Sekunden später steht sie auf dem hellen Leinen, schaut mich freundlich an und macht den Milchtritt. Dann lässt sie sich nieder und ringelt sich zum Schlaf ein – auf einem hübschen Muster schmutziger Pfotenabdrücke. (Wie konnte ich auch nur auf die schwachsinnige Idee kommen, Sofa und Sessel mit hellem (teuren!) Leinen überziehen zu lassen?)
So eine Katze lebt durchschnittlich fünfzehn Jahre und kostet ihren Besitzer (Tierarzt und Futter) rund zwölftausend Mark (zerfetzte Gardinen, zerkratzte Möbel und Sofabezüge nicht gerechnet). Das ist ein Haufen Geld, mit dem man prima Urlaub machen könnte. Beispielsweise.
Aber nun ist ein pfiffiger Mitmensch auf eine ganz hervorragende Idee gekommen. Er hat eine Katze geschaffen, bei der lediglich ein paar Euro für die Anschaffung entstehen und alle anderen Probleme wegfallen. Er hat eine Katze geschaffen, die in äußerst reinlichem Zustand den ganzen Tag nur auf dem Sofa liegt und weder Futter- noch Tierarztkosten verursacht. Sie verunstaltet auch keine Möbel und knabbert keinen Fisch oder sonstige Lebensmittel an. Und sie sieht wirklich echt aus. Ihr Fell ist auch echt. Allerdings stammt es von einem Kaninchen. Aber das macht ja nichts, finde ich.
Jetzt müsste der Schöpfer dieser ultimativen Katze nur noch den ultimativen Mann erfinden. Der würde dann den ganzen Tag dekorativ auf dem Sofa sitzen und einen guten Eindruck machen. Er würde nett vor sich hin lächeln, nicht widersprechen, nicht schmutzen, nicht rauchen, nicht schnarchen, nicht die Klobrille oben lassen, nicht die Sportschau gucken, während ein Film mit Robert Redford läuft, nicht nach anderen Weibern schauen, die Zahnpastatube nicht in der Mitte quetschen, seine schmutzigen Klamotten nicht herumliegen lassen, die Zeitung nicht in Einzelteile zerlegen, nicht spät in der Nacht angetrunken nach Hause kommen und keine blöden Bemerkungen von sich geben, wenn ich stundenlang mit meiner Freundin telefoniere.
Einen winzigen Nachteil allerdings hätte dieser ultimative Mann. Er würde auch dann auf dem Sofa sitzen und nett vor sich hin lächeln, wenn mir der Sinn nach etwas ganz anderem stünde. Aber wie lernen wir aus Billy Wilders “Some like it hot”: Nobody is perfect – Na also …
Renate Blaes
Wie ich zur Katze kam
Meine Leisetreter
Über viele Jahre hinweg hatte ich mit Katzen nichts am Hut. Das liegt wohl daran, dass ich in einem Bauerndorf aufgewachsen bin. Dort waren Katzen nicht zum kuscheln da, sondern zum Mäuse fangen. Aus diesem Grund wurden sie genauso behandelt wie Kühe, Schweine, Hühner und andere Nutztiere: emotionslos. Aus diesem Grund schliefen Katzen auch nicht auf dem Sofa oder im Bett, sondern im Stall oder im Heuschober. Falls sie sich doch mal ins Haus wagten, weil es sie zur warmen Ofenbank oder zum Speck auf dem Küchentisch zog, wurden sie weg gescheucht.


