Archiv für die Kategorie „Abschied“
Gestern vor zwei Monaten

Dieses Foto von meinem Felibärchen habe ich einen Tag vor seinem Tod gemacht. Ich sah ihm an und spürte, dass er nicht mehr lange leben würde … und jetzt ist es schon zwei Monate her, dass sein Herzchen aufgehört hat zu schlagen. Er fehlt mir immer noch sehr und im Moment fühle ich mich wie am 7. Juli – und mir laufen die Tränen runter. Abschied tut immer weh und die Gefühle sind jederzeit abrufbar – wenn man es zulässt. Ich lasse es zu.
Und hier kann man mein Felibärchen schnurren hören.
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Er lag gern bei mir im Bett, ganz in meiner Nähe. Ich vergrub meine Hand in sein kuscheliges Bauchfell und er schnurrte sich und mich in den Schlaf. Mein geliebter Felibär …
Den weißen Margeriten, die ich heute vor zwei Monaten auf sein Grab gepflanzt habe, haben die Schnecken den Garaus gemacht. Jetzt blüht dort ein kleiner Strauch roter Rosen.
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Donnerstag, 7. Juli 2011
Wie in den meisten der vergangenen Nächte war Felix strawanzen. Er war überhaupt sehr oft weg, in der letzten Zeit. Rückzug – mit dem Wissen auf den bevorstehenden Abschied?
Der Appetit meiner kleinen Fressmaschine hatte in den letzten Wochen auch merklich nachgelassen. Hatte er sonst immer sein Schälchen in Sekundenschnelle leer gefuttert und verputzte auch noch die Reste in den Schälchen der anderen Drei, so war er auffallend mäkelig geworden. Fraß nur noch, was seinem Näschen gefiel und davon auch nicht alles. Jetzt waren die anderen es, die seinen noch halbvollen Napf leerten.
Begonnen haben die Veränderungen vor einigen Monaten, als er einen Tag lang nur mit Überredungskünsten meinerseits eine Kleinigkeit futterte – deutlich lustlos. Aber immerhin etwas. Doch nach ein paar Stunden war alles wieder draußen, nahezu unverdaut.
Der Tierarzt konnte körperlich nichts feststellen, und auch die Blutuntersuchung ergab keine erhellenden Erkenntnisse. Alterserscheinungen? Hatte sich sein Herzmuskel weiter vergrößert? Vermutlich. Aber ich wollte dem kleinen Kerl die Fahrt in die Tierklinik und die Untersuchungen ersparen. Denn wie auch immer die Ergebnisse ausgefällen wären – sie hätten nichts genutzt. Man kann diese Krankheit nicht aufhalten. Und Felix mit Medikamenten vollpumpen, das wollte ich auch nicht.
Der Appetit nahm wieder ein bisschen zu – allerdings fraß er nach wie vor nur das, was den ausgiebigen Schnuppertest bestand: spezielle Futtersorten, Thunfisch, Lachs, gekochte Putenbrust. Alles mit mäßigem Appetit und mit den obligatorischen Resten im Napf.
Am vergangenen Donnerstag kam er so gegen zwei Uhr nachmittags endlich angetapert, steuerte auch sofort den Futterplatz an, fraß aber so gut nie nichts. Lediglich zwei, drei schmale Streifen Räucherlach landeten in seinem Magen. Und auch nicht runter geschlungen, wie vormals, sondern nach intensivem Beschnuppern.
Am Nachmittag um Vier hatte ich einen Termin bei der THP. Die Tropfen für Felix neigten sich dem Ende – ich brauchte Nachschub. Ich rief in der Praxis an und fragte, ob ich Felix mitbringen könne – zur Untersuchung, seine Appetitlosigkeit machte mir Sorgen. Ja, sie hatte Zeit.
Damit der appetitlose Racker nicht ausbüchsen konnte, sperrte ich ihn auf den Balkon, wo er sich in den Schatten legte und döste.
Viertel vor Vier machte ich die Balkontür auf und Felix wollte schon davon düsen – aber ich konnte ich greifen und zum Korb tragen. Direkt vor dem Korb brach er zusammen. Ich bettete das schlappe aber noch lebende Kerlchen in den Korb und eilte die Ammerseewestseite entlang nach Dießen. Autos, Lastwagen, Trecker … wie immer ging nichts voran. Und ich hatte es doch so eilig, machte mir doch so große Sorgen um Felix. Benommen lag mein Kater im Korb, sein Atem überschlug sich, er hechelte mit heraushängendem Züngchen und aufgerissenen Augen, Speichel tropfte. Felix ging es schlecht. Sehr schlecht. Das war nicht zu übersehen. Wenige Wochen zuvor hatte ich gelesen, dass hechelnder Atem höchste Alarmstufe bedeutet – bei seiner Herzkrankheit. Die Sauerstoffzufuhr zum Herzchen war stark reduziert. Todesgefahr!
Kurz vor Dießen stieß mein Felibärchen drei spitze Schreie aus – sie gingen mir durch und durch, und ich hatte Angst, dass er sterben würde, bevor wir in der Praxis angekommen wären. Immer wieder legte ich meine Hand auf sein Körperchen – es bewegte sich noch. Er atmete noch, rasend schnell, hechelte, rang nach Luft.
Vor der Praxis angekommen, riss ich den Korb vom Sitz und eilte nach drinnen. “Schnell, schnell, Felix stirbt!” Dass Felix im Sterben lag, wusste ich. Warum? Kann ich nicht sagen, ich spürte es einfach.
Er lag auf dem Untersuchungstisch, hechelte, Speichel tropfte, eine Pupille war ganz weit geöffnet, die andere relativ normal. Die THP verabreichte ihm Tröpfchen, um die Atemnot erträglich zu machen. Puls und Herzschlag wurden abgehorcht – beides raste. Die THP vermutete eine Embolie.
Auf einer weichen Steppdecke wurde Felix im Besprechungsraum behutsam auf den Fußboden gebettet. Ich legte mich neben ihn, streichelte mit der einen Hand sein Köpfchen, das kraftlos auf meiner anderen lag. Ab und zu ein Röcheln. Sein bis eben sich fast überschlagender Atem wurde schwächer. Schwächer … schwächer … schwächer … bis sein kleiner Körper reglos dalag – so als schliefe er. Er atmete nicht mehr. Nur das Herz war noch aktiv, schlug noch sacht – mit dem Stethoskop waren Herztöne zu vernehmen.
Hin und wieder bewegte sich ein Pfötchen, auch das Köpfchen zuckte. Nervenreflexe. Dann wieder ein leises Röcheln. Luft entwich der Lunge, bahnte sich leise ächzend den Weg nach draußen. Ein Beinchen zog sich zusammen, dann das andere. Das Bäuchlein warf sich kurz nach oben – mein kleiner Katerbär begab sich auf die letzte Reise – begleitet von sanftem Streicheln, geflüsterten Liebeserklärungen, Tränenbächen auf meinen Wangen. Traurige Abschiedstränen, die auf sein Fell tropften und dort versickerten. Feuchte Gefährten auf dem Weg in die Unendlichkeit.
Nach ungefähr 20 Minuten schlug sein Herz nicht mehr. Felix, mein geliebter Katerbär, war gestorben. In meinen Armen.
Felibärchen, ich vermisse dich!

Felibär – an seinem vorletzten Tag
Mir ist immer noch ganz elend zumute. Andauernd glaube ich, sein leises Rufen zu hören, vom Hof oder aus dem Garten. Bewegt sich irgendwo etwas, denke ich, es ist Felix. Obwohl ich weiß, dass er nicht mehr lebt, hat mein Unterbewusstsein noch nicht verinnerlicht, dass es den lebenden Felix nicht mehr gibt.
Ich vermisse das leise Klicken seiner Krallen auf dem Parkett – aufgrund seiner Arthrose und seiner Rückenprobleme hatte nicht mehr den geschmeidigen Gang einer Katze, sondern wackelte hin und her. Dabei berührten seine Krallen den Fußboden und ich hörte immer genau, wann Felix im An- oder Abmarsch war.
Ich vermisse sein ganz spezielles Schnurren, das ich aus hunderten von Katzenschnurren rausgehört hätte.
Ich vermisse sein freudiges “Rrrrrt”, wenn er erwartungsvoll auf seinem Futterplatz stand und ich ihm sein Schüsselchen runter reichte.
Ich vermisse den aufmerksamen Blick seiner grünen Augen – mit diesem melancholischen Ausdruck.

Ach, ich vermisse einfach meinen Felibär – drei andere Katzen können dabei nicht trösten. Auch wenn Lili sich – so wie momentan – liebevoll an mich drückt und sich auf dem Schreibtisch neben meine Tastatur schmeißt und den Luft-Milchtritt macht. Ich bin sehr glücklich, dass meine Lili nach wie vor mit gesundem Appetit futtert, aber meine Trauer um Felix lindert das nicht.
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Abschied von Felix
Vor einer halben Stunde habe ich Felix beerdigt. Im Gärtchen vor dem Haus, seinem Lieblingsplatz. Die Nachbarin hat mir geholfen, die Erde auszuheben. Ich habe kleine weiße Blüten rein gestreut und dann Felix geholt, von dem ich mich bei Indianermusik, Kerzenlicht und Räucherkerzen und auf ein mit Wildblumen geschmücktes Kissen gebettet verabschiedet habe. Er sah aus, als würde er schlafen, eingeringelt auf dem Kissen. Mit Tränen auf den Wangen flüsterte ich meine Liebe in sein Öhrchen. Vielleicht hat er mich gehört, dort, wo seine Seele jetzt lebt. Vielleicht begegnet seine Seele der von Fritzchen. Vielleicht begnet meine Seele irgendwann den Seelen all der Wesen, von denen ich mich mit großer Trauer bisher verabschieden musste.

Ich kuschelte mich neben ihn, Kopf an Köpfchen, streichelte sein samtiges Fell und nahm seine seidigen Pfötchen zum letzten Mal in meine Hand.

Meine Tränen liefen und liefen, denn mein kleiner Kuhkater lebte nicht mehr. Als sein Körperchen steif wurde, habe ich ihn auf dem geschmückten Kissen zum Gärtchen getragen, behutsam in sein mit Blümchen ausgelegtes Grab gebettet, Blumen und Blattgirlanden über ihn gelegt und eine weiße Rose neben sein Köpfchen gesteckt. Dann schaute ich ihn ein letztes Mal an – meinen geliebten Kuhkater. Er wirkte immer noch so, als schliefe er. In einem Bett aus Erde und Blümchen.
Die ausgehobene Erde habe ich in meine Hand genommen und langsam auf ihn rieseln lassen. Bei seinem Popo habe ich angefangen, dann seinen Bauch bedeckt, und zum Schluss und ganz langsam das Köpfchen. Leise bedeckte die frische Erde sein Fell, am Ende ragte nur noch sein linkes Öhrchen aus der erdigen Decke. Wenige Sekunden später war von meinem Felix nichts mehr zu sehen.
Morgen werde ich eine Blume besorgen und auf sein kleines Grab pflanzen.
Adieu Felix, geliebtes Katerchen. Dreizehn Jahre durfte ich mit dir verbringen. Dreizehn Jahre, in denen Du viel sehr Freude und Glück in mein Leben gebracht hast. Dafür danke ich dir von Herzen. Und dort wirst du auch bleiben – für immer, tief und fest, in meinem Herzen.
Auf Wiedersehen, geliebtes Kuhkaterchen
Felix, mein geliebtes Kuhkaterchen hat heute um vier Uhr nachmittags seine Reise in den Katzenhimmel angetreten. Er ist rasch und leicht gestorben.

Sehr traurige Grüße – Renate
Traurig
Ich sitze hier und mir laufen die Tränen über die Wangen. Das kleine graue Katertier ist gestern für immer eingeschlafen.
Ich bin traurig, und ich bin erleichtert. Es war ein sehr langer und sehr berührend beschriebener Prozess, den Silke und ihre Mutter mit großer Tapferkeit durchgestanden haben. Danke, liebe Silke, dass ihr den Gang des Lebens so liebevoll und geduldig zugelassen habt! Ich liebte das graue Katertierchen auf den ersten Blick. Es war ein hübscher Kerl, mit einer starken Persönlichkeit – die Ihr respektiert hab. Danke nochmal!
Kleines, graues Katerchen

Mehr über über das tapfere graue Katerchen gibt es bei Silke. Ihre liebevollen Berichte und die schönen Fotos von dem alten Herrn berühren mich ganz tief.
Abschied nehmen vom grauen Katerchen
Wie es ist, wenn ein kleiner grauer und alter Kater sich in Würde verabschieden darf, schreibt sehr ergreifend und liebevoll und mit schönen Fotos – Silke. Hier.
Während ich das schreibe, laufen mir die Tränen runter. Rührung und Erinnerung bestimmen meine Gefühle. Erinnerung an Fritzchen. Und Erinnerung an die Tage, in denen ich Angst um Lili hatte. Und zu all dem kommt auch noch das Bewusstsein der Endlichkeit. Dass wir alle gehen müssen. Tiere und Menschen.
Ich danke dir ganz herzlich, liebe Silke, für diese liebevollen und ergreifenden Berichte und Fotos!





